056 - 7 Erinnerungen für stürmische Zeiten - Das Leben ist wie Tetris
- Ronny

- 20. Juni
- 7 Min. Lesezeit
Die Gedankentropfen zum Hören
7 Erinnerungen für stürmische Zeiten
Das was du suchst, findest du in der Stille die du vermeidest
Manchmal spüren wir, dass etwas in uns gehört werden möchte. Ein Gefühl. eine Frage. oder eine vage Unstimmigkeit.
Noch ist es nicht klar genug, um es benennen zu können. Aber es ist da.
Doch statt stehenzubleiben, bewegen wir uns oft schneller. Wir greifen zum Handy, füllen den Kalender, arbeiten, konsumieren oder suchen die nächste Beschäftigung.
Nicht unbedingt, weil wir etwas erleben wollen, sondern weil wir etwas nicht spüren wollen.
Manchmal schenkt uns das Leben diese Stille ungefragt. Im Urlaub. Auf einem langen Spaziergang. Während einer Krankheit.
Plötzlich wird hörbar, was sich zuvor nur unbewusst in am Rande unserer Wahrnehmung bewegte.
Wir müssen darauf jedoch nicht warten.
Es würde reichen, hin und wieder innezuhalten.
Mentales Eisbad
Die meisten Menschen meiden die Stille nicht, weil dort nichts ist. Sie meiden sie, weil dort etwas ist.
Sobald es ruhig wird, tauchen Gedanken auf, die lange überhört wurden. Gefühle, die Aufmerksamkeit wollen. Fragen, auf die wir noch keine Antwort haben.
Kein Wunder also, dass wir lieber beschäftigt bleiben.
Vielleicht hast du schon einmal von Eisbädern gehört. Dabei taucht man für einige Minuten in eiskaltes Wasser ein.
Die ersten Sekunden sind meist ein Schock. Der Körper möchte sofort wieder heraus.
Wer jedoch bleibt, macht häufig eine überraschende Erfahrung:
Der Widerstand lässt nach. Die Atmung beruhigt sich. Der Körper passt sich an.
Mit der Stille kann es ähnlich sein.
Ein mentales Eisbad bedeutet, für einen Moment in die eigenen Gedanken und Gefühle einzutauchen, statt vor ihnen wegzulaufen. Anfangs kann das herausfordernd sein.
Sorgen werden lauter. Unangenehme Gefühle treten deutlicher hervor.
Doch wer eine Weile bleibt, erlebt oft etwas Erstaunliches:
Die innere Unruhe beginnt sich zu legen. Gedanken verlieren an Dringlichkeit. Gefühle verändern sich.
Was zunächst überwältigend erscheint, wird allmählich einfach zu einer Erfahrung, die kommen und wieder gehen darf.
Hinter dem ersten Kälteschock wartet oft mehr Ruhe, als wir erwartet hätten.
Die Angst, dass andere von dir einen Standard erwarten, den du nicht mehr leisten kannst
Viele von uns tragen einen unsichtbaren Maßstab mit sich herum.
Wir glauben, stark sein zu müssen, verlässlich, belastbar. Immer freundlich. Immer erreichbar. Immer in der Lage, noch etwas mehr zu leisten.
Irgendwann behandeln wir diese Vorstellungen wie Tatsachen. Als hätten andere Menschen genau diese Erwartungen an uns.
Hinzu kommt: Manchmal wirkt es, als würden wir auf einer Rasierklinge balancieren.
Ein kleiner zusätzlicher Druck, eine weitere Verpflichtung oder ein unerwartetes Problem, und das Gleichgewicht, das ganze Leben gerät ins Wanken.
Man könnte auch sagen: Viele von uns tanzen bereits mit dem Burnout.
Oft existiert dieser Standard vor allem in unserem eigenen Kopf.
Das Verrückte daran: Während wir versuchen, den Erwartungen anderer gerecht zu werden, versuchen viele andere genau dasselbe.
Sie sorgen sich um ihren eigenen Eindruck. Ihre eigenen Fehler. Ihre eigenen vermeintlichen Defizite.
Es erinnert stark an den Spotlight-Effekt.
Doch die meisten Menschen schauen viel weniger kritisch auf uns, als wir selbst.
Und selbst wenn sie es tun: Beziehungen werden nicht durch Perfektion getragen.
Sie werden durch Echtheit getragen.
Wer immer nur die vermeintlich starke Version von sich zeigt, bleibt oft auf Distanz. Nähe entsteht dort, wo Menschen sich auch mit ihren Grenzen zeigen dürfen.
Manchmal ist der mutigste Satz nicht: „Ich schaffe das schon.“
Sondern:
„Im Moment schaffe ich das nicht.“
Wer authentisch ist, ist gewillt eine soziale Verletzung hinzunehmen
Die Authentizität, die wir im letzten Punkt bereits angesprochen haben, ist nicht immer leicht zu leben.
Oft wissen wir genau, was wir denken, fühlen oder brauchen und behalten es dennoch für uns.
Ich vermute, dass dahinter auch etwas Evolutionspsychologisches steckt.
Über den größten Teil der Menschheitsgeschichte waren wir auf unsere Gruppe angewiesen.
Wer von ihr ausgeschlossen wurde, verlor Schutz, Unterstützung und oft sogar die Chance zu überleben. Zugehörigkeit war kein Luxus, sondern eine Überlebensnotwendigkeit.
Vielleicht erklärt das, warum soziale Ablehnung auch heute noch so schmerzhaft sein kann.
Unser Gehirn scheint Kritik, Ablehnung oder Ausgrenzung oft ernster zu nehmen, als es die Situation objektiv rechtfertigt.
Ein Teil von uns reagiert noch immer so, als stünde das eigene Überleben auf dem Spiel.
Genau deshalb ist Authentizität oft so mutig.
Wer authentisch ist, nimmt in Kauf, dass andere enttäuscht sein könnten.
Dass sie widersprechen, ablehnen oder sich abwenden. Mit anderen Worten: Diese Person ist bereit, eine soziale Verletzung zu riskieren.
Und genau diese Möglichkeit berührt häufig existentielle Urängste.
Sich dieser Urängste bewusst zu werden, kann hilfreich sein.
Denn heute führt eine Meinungsverschiedenheit, eine Grenze oder ein ehrliches Nein in den seltensten Fällen zum Ausschluss aus der Gemeinschaft.
Nutze die Fähigkeit, aus dem Moment herauszuzoomen
Das Leben ist seltsam. Es kann 100 Jahre dauern und dennoch erleben wir immer nur diesen einen Moment genau jetzt.
Auf Grundlage dieses Moments entstehen unsere Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen.
Wir wissen nicht, was morgen sein wird, geschweige denn in einigen Jahren.
Deshalb vergessen wir manchmal, dass dieser Moment nur ein kleiner Ausschnitt unseres Lebens ist.
Wenn uns dieser Moment überfordert, kann es sich anfühlen, als würde eine ganze Welt zusammenbrechen.
Vielleicht hilft hier die Fähigkeit, aus dem Moment herauszuzoomen.
Stell dir Google Maps vor. Wenn du im Stau stehst, ist dieser Moment unangenehm.
Du möchtest, dass er vorbei ist. Doch wenn du herauszoomst und die gesamte Strecke betrachtest, verändert sich etwas.
Der Stau ist dann nur noch ein kleiner Abschnitt einer viel größeren Reise.
Oder zoome noch weiter heraus. Denke an vergangene Urlaube. Gibt es einen Stau von vor fünf Jahren, der dich heute noch belastet?
Wahrscheinlich nicht.
Mit unserem Leben kann es ähnlich sein.
Wenn ein schwieriger Moment auftaucht, versuche in die Vogelperspektive zu wechseln. Frage dich:
Wird dieser Moment vorübergehen?
Wird mich das in einem Jahr noch genauso beschäftigen?
Und wie viele schwierige Momente habe ich in meinem Leben bereits überstanden?
Die Antwort kennst du bereits:
Alle.
Wirf deine Erwartungen nicht in die Realität hinein
Einen Teil unseres Stresses erzeugen wir selbst durch Erwartungen.
Wir malen uns aus, wie die Zukunft sein sollte. Der Sommerurlaub in Griechenland wird bestimmt wunderschön.
Wenn ich weniger arbeiten muss, wird alles entspannter. Wenn dieses Projekt abgeschlossen ist, kehrt endlich Ruhe ein.
Manchmal gehen unsere Erwartungen noch weiter.
Wir wünschen uns einen gut bezahlten Job, einen liebevollen Partner, genügend Zeit für Familie, Freunde und Selbstentwicklung, einen gesunden Körper, erfüllende Beziehungen und finanzielle Sicherheit.
Daran ist zunächst nichts falsch.
Schwierig wird es, wenn wir beginnen, diese Vorstellungen mit der Realität zu verwechseln.
Denn das Leben hat die unangenehme Eigenschaft, sich nicht an unsere Pläne zu halten.
Sobald die Wirklichkeit von unseren Erwartungen abweicht, entsteht Enttäuschung.
Je größer der Abstand zwischen dem, was ist, und dem, was sein sollte, desto größer wird häufig auch unser Stress.
Mich persönlich erinnert das Leben eher an Tetris.
Bei Tetris wissen wir nie, welcher Stein als Nächstes vom Himmel fällt. Wir können es nicht kontrollieren, nicht planen und nicht verhindern.
Wir können die Steine geschickt platzieren, flexibel reagieren und uns an die Situation anpassen.
Oder wir können uns darüber ärgern, dass nicht der Stein gekommen ist, den wir uns gewünscht hätten.

Mit dem Leben ist es oft ähnlich.
Wir haben deutlich weniger Einfluss auf die Ereignisse, als wir gerne hätten. Vieles kommt unerwartet.
Manches erfreut uns. Manches fordert uns heraus.
Unsere Aufgabe besteht nicht darin, die nächsten Steine auszuwählen.
Unsere Aufgabe besteht darin, die Steine, die bereits da sind, möglichst gut zu sortieren.
Je weniger wir darauf bestehen, dass das Leben unseren Erwartungen folgen muss, desto leichter fällt es uns, mit dem umzugehen, was tatsächlich geschieht.
Stell dir vor, jede Person, die du triffst, sei ein alter Freund
Diese Vorstellung bringt mir persönlich Ruhe ins System.
Mal abgesehen von einigen extrovertierten Menschen, die auf Fremde so entspannt zugehen, als würden sie sich gerade eine Cola aus dem Kühlschrank holen, kann es viele Menschen stressen, ständig mit unbekannten oder kaum bekannten Personen in Kontakt zu sein.
Beruflich wie privat.
Diesen Gedanken habe ich einmal von George Clooney aufgeschnappt.
Als Hollywood-Star hat er vermutlich viel Übung darin, Hände zu schütteln, Small Talk zu führen und immer wieder neuen Menschen zu begegnen.
Sein Rat war überraschend einfach:
Behandle jede Person, die du triffst, wie einen alten Freund.
Wenn du dir das vorstellst, verschiebt sich der Fokus. Du musst nichts beweisen.
Du musst nicht besonders interessant, schlagfertig oder perfekt wirken.
Stattdessen begegnest du der anderen Person automatisch etwas wärmer, entspannter und wohlwollender.
Und erstaunlicherweise reagieren viele Menschen darauf und erwidern diese entspannte Herzlichkeit.
Kerntropfen
Das, was du suchst, findest du in der Stille, die du vermeidest
Oft versuchen wir unangenehmen Gedanken und Gefühlen auszuweichen. Doch gerade in der Stille erkennen wir häufig, was wir wirklich brauchen, wollen oder fühlen.
Mentales Eisbad
Die Stille kann zunächst herausfordernd sein. Wer jedoch bereit ist, Gedanken und Gefühle für eine Weile auszuhalten, entdeckt oft mehr Ruhe und Klarheit, als er erwartet hätte.
Der Standard, den niemand von dir erwartet
Viele Menschen versuchen Erwartungen zu erfüllen, die möglicherweise nur in ihrem eigenen Kopf existieren. Die meisten Mitmenschen erwarten weniger von uns, als wir glauben.
Wer authentisch ist, ist bereit, eine soziale Verletzung hinzunehmen
Authentizität erfordert Mut. Wer ehrlich seine Meinung äußert, Grenzen setzt oder sich verletzlich zeigt, riskiert Ablehnung. Gleichzeitig entsteht genau dort oft echte Freiheit und Verbundenheit.
Nutze die Fähigkeit, aus dem Moment herauszuzoomen
Schwierige Situationen wirken im Hier und Jetzt oft überwältigend. Ein Perspektivwechsel erinnert uns daran, dass dieser Moment nur ein kleiner Ausschnitt unseres Lebens ist.
Wirf deine Erwartungen nicht in die Realität hinein
Je stärker wir darauf bestehen, dass das Leben unseren Vorstellungen folgen soll, desto größer wird häufig die Enttäuschung. Das Leben ist wie Tetris: Wir wählen nicht die Steine, aber wir können entscheiden, was wir mit ihnen machen.
Stell dir vor, jede Person, die du triffst, sei ein alter Freund
Wer anderen Menschen mit Offenheit und Wohlwollen begegnet, muss weniger leisten und weniger beeindrucken. Oft entsteht genau dadurch eine entspanntere und menschlichere Verbindung.
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