top of page

061 - Sich schlecht fühlen zwingt dich zu einem Systemupdate

Autorenbild: Ronny
Ronny
29. Aug.
7 Min. Lesezeit

Die Gedankentropfen zum Hören


Sich schlecht fühlen zwingt dich zu einem Systemupdate

 

Wir betrachten unangenehme Gefühle oft als lästige Störung, die möglichst schnell wieder verschwinden soll.

 

Sie tauchen scheinbar aus dem Nichts auf, sind plötzlich einfach da und bringen unsere sorgfältig geschmiedeten Pläne, Hoffnungen oder Wünsche durcheinander.

 

Manchmal treffen sie uns mit solcher Wucht, dass sie sich anfühlen wie eine Naturgewalt, die über unser inneres System hinwegfegt.

 

Doch wie man mit solchen Gefühlen umgeht, lernen viele von uns kaum.

 

Weder in der Kindheit noch in der Schule wird uns selbstverständlich beigebracht, sie wahrzunehmen, einzuordnen und zu verstehen.

 

Wenn wir nicht das Glück hatten, Menschen um uns zu haben, die uns dabei begleitet haben, bleiben diese inneren Zustände oft nicht nur unangenehm, sondern auch rätselhaft.

 

Woher kommen sie eigentlich? Was wollen sie uns sagen? Und warum verschwinden sie nicht einfach wieder?


Glück und Zufriedenheit
Sich schlecht fühlen zwingt dich zu einem Systemupdate


Gefühle sind massiv unterschätzte Tools

 

Ich bin überzeugt, dass wir Gefühle massiv unterschätzen.

 

In unserer inneren Welt führen sie, insbesondere im Vergleich zu unseren Gedanken, oft ein erstaunliches Schattendasein.

 

Natürlich wissen wir, dass sie da sind. Und irgendwie wissen wir auch, dass sie wichtig sind.

 

Doch wenn wir über Gefühle sprechen, denken wir schnell an Hollywood:

 

an große Liebe, überwältigendes Glück, herzzerreißende Trauer oder jene emotionalen Ausnahmezustände, die zu den großen und tragischen Ereignissen unseres Lebens gehören.

 

Dabei sind Gefühle viel alltäglicher. Und gleichzeitig schwer zu greifen.

 

Sie sind wechselhaft, manchmal widersprüchlich und bewegen sich in Wellen.

 

Fast wie Geister tauchen sie auf, treiben eine Weile ihren Spuk und verschwinden irgendwann wieder, ohne dass wir so genau verstanden hätten, warum sie überhaupt gekommen sind.

 

Solange sie keine allzu lauten Signale senden, sind wir außerdem erstaunlich gut darin, sie zu übergehen.

 

Während wir uns in Gedankenkarussellen verfangen und den kleinen Dopaminfallen unseres Alltags kaum entkommen, schieben wir Gefühle mit bemerkenswerter Regelmäßigkeit beiseite.

 

Wir lenken uns ab, beschäftigen uns, scrollen, arbeiten, grübeln oder machen einfach weiter.

 

Wirklich zuhören tun wir ihnen häufig erst dann, wenn sie so laut nach unserer Aufmerksamkeit rufen, dass wir sie nicht mehr ignorieren können.

 

Gefühle sind die heimlichen Regisseure unseres Lebens

 

Wenn man es genau nimmt, könnte man sogar behaupten:

 

Gefühle gehören zu den mächtigsten Treibern unseres Verhaltens, unserer Entscheidungen und selbst unserer Gedanken.

 

Das wirklich Faszinierende daran ist, dass wir uns dieses Einflusses häufig nicht einmal bewusst sind.

 

Wir erzählen uns gerne die Geschichte vom rationalen Menschen.

 

Wir wägen Argumente ab, vergleichen Vor- und Nachteile, denken gründlich nach und treffen schließlich eine vernünftige Entscheidung. Zumindest fühlt es sich so an.

 

Doch während unser Verstand noch glaubt, am Konferenztisch zu sitzen und Argumente auszutauschen, haben Gefühle, frühere Erfahrungen und unbewusste Bewertungen längst die Entscheidung für uns gefällt.

 

Der Verstand ist eher die Marketingabteilung, die uns unsere gefühlsbasierten Entscheidungen im Nachhinein verkauft.

 

Zeit für ein Systemupdate

 

Am Ende geht es jedoch nicht um einen Wettkampf zwischen Gefühl und Verstand.

 

Emotion und Kognition sind keine Gegenspieler, sondern eng miteinander verflochtene Systeme, die sich gegenseitig beeinflussen und gemeinsam bestimmen, wie wir die Welt wahrnehmen und auf sie reagieren.

 

Und doch haben wir gelernt, dem Denken häufig den höheren Stellenwert einzuräumen. Vernünftig sein, nachdenken, analysieren, Lösungen finden.

 

Gefühle dagegen sollen möglichst kontrolliert werden und vor allem dann nicht im Weg stehen, wenn es darauf ankommt, zu funktionieren.

 

In diesem Gedankentropfen möchte ich deshalb die Gefühle einmal unter das Mikroskop legen und sie in einem ganz bestimmten Kontext betrachten:

 

Was wäre, wenn starke unangenehme Gefühle uns zu einem Systemupdate zwingen?

 

Stellen wir uns unsere innere Landkarte einmal als ein einfaches System vor.

 

Dann könnte ein starkes Gefühl, das immer wieder auftaucht oder uns irgendwann sogar daran hindert, unserem Alltag wie gewohnt nachzugehen, auch als eine Art Systemmeldung verstanden werden.

 

Als Hinweis:

 

„Achtung. Irgendetwas passt hier nicht mehr zusammen. Bitte überprüfen.“

 

Doch wie könnte eine solche Systemmeldung konkret aussehen?

 

Lass uns einige Gefühle genauer anschauen, mit denen heute viele Menschen zu kämpfen haben

 

Dauerhafte Überforderung

 

Das System läuft dauerhaft an seiner Belastungsgrenze. Strategien, die vielleicht jahrelang funktioniert haben, reichen plötzlich nicht mehr aus.

 

Wir versuchen trotzdem weiterzumachen wie bisher: noch ein bisschen durchhalten, noch eine Aufgabe erledigen, noch irgendwo Zeit einsparen.

 

Erschöpfung wird dabei zur Systemmeldung, die wir mit erstaunlicher Zuverlässigkeit ignorieren.

 

Statt zu überprüfen, warum unser bisheriges System unter den aktuellen Bedingungen nicht mehr funktioniert, versuchen wir, mit genau diesem System einfach weiterzulaufen.

 

Doch eine Warnmeldung verschwindet nicht unbedingt dadurch, dass wir sie oft genug wegklicken.

 

Das notwendige Update könnte heißen:

 

Grenzen neu setzen. Prioritäten verändern. Verantwortung abgeben. Erwartungen an uns selbst überprüfen.

 

Oder akzeptieren, dass eine Strategie, die uns früher hervorragend durchs Leben gebracht hat, für unsere heutige Lebenssituation nicht mehr geeignet ist.

 

An dieser Stelle könnte sich übrigens ein Blick in den vorherigen Gedankentropfen lohnen.

 

Einsamkeit

 

Einsamkeit fühlt sich unangenehm an. Und vielleicht muss sie das sogar.

 

Denn versuchen wir für einen Moment, diesem unangenehmen Gefühl etwas Positives abzugewinnen:

 

Würden wir den Mangel an Verbundenheit überhaupt nicht spüren, gäbe es wenig Anlass, etwas daran zu verändern.

 

Das Gefühl wird zur Systemmeldung:

 

„Dir fehlt soziale Verbindung.“

 

Und je stärker die Einsamkeit wird, desto schwieriger wird es, diese Meldung dauerhaft zu ignorieren.

 

Sie kann uns dazu bewegen, wieder Kontakt aufzunehmen, neue Menschen kennenzulernen, bestehende Beziehungen zu pflegen oder uns überhaupt erst einzugestehen, dass uns Nähe und Verbundenheit fehlen.

 

Das System fragt also nicht:

 

„Wie werde ich dieses lästige Gefühl möglichst schnell los?“

 

Sondern:

 

„Dir fehlt etwas, das du brauchst. Möchtest du etwas verändern?“

 

Angst vor Veränderung in unsicheren Zeiten

 

Vielleicht verändert KI gerade den eigenen Beruf. Fähigkeiten, die jahrelang Sicherheit gegeben haben, könnten plötzlich weniger gefragt sein.

 

Niemand kann zuverlässig sagen, wie der eigene Arbeitsplatz in fünf oder zehn Jahren aussehen wird.

 

Aber auch privat erleben wir eine Zeit, in der vieles weniger berechenbar erscheint.

 

Kriege und geopolitische Spannungen, Inflation und steigende Lebenshaltungskosten oder eine zunehmende politische Polarisierung können das Gefühl erzeugen:

 

Ich weiß nicht mehr, wohin sich diese Welt entwickelt.

 

Plötzlich gelten alte Gewissheiten nicht mehr. Niemand kann genau sagen, wie das Leben beruflich oder privat in fünf Jahren aussehen wird.

 

Angst und Unsicherheit entstehen. Die Systemmeldung könnte lauten:

 

„Mit meiner bisherigen Landkarte kann ich die neue Umgebung nicht mehr zuverlässig vorhersagen.“

 

Das Update kann nun aber gerade nicht darin bestehen, eine neue sichere Landkarte zu erstellen. Denn die Zukunft bleibt ungewiss.

 

Das eigentliche Update wäre deshalb grundlegender:

 

Alt: „Ich brauche Gewissheit darüber, was kommt, damit ich mich sicher fühlen kann.“

 

Update: „Ich kann nicht wissen, was kommt. Aber ich kann lernen, mit Veränderungen umzugehen, mich anzupassen und auf meine Fähigkeit zu vertrauen, auf das zu reagieren, was kommt.“

 

Auf jedes existierende Gefühl einzugehen, würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen.

 

Doch auf unserer Reise durch die Welt der Gefühle haben wir die Funktionen der meisten Gefühle bereits genauer betrachtet.

 

Diese können uns wertvolle Hinweise darauf liefern, welche Systemmeldung hinter einem Gefühl steckt und welches Update möglicherweise notwendig ist.

 

Anhaltende Unzufriedenheit:

 

„Das Leben, das ich führe, passt nicht mehr zu dem Leben, das ich eigentlich führen möchte.“

 

Nach außen kann alles funktionieren. Beruf, Beziehung, Alltag, finanzielle Sicherheit.

 

Und trotzdem taucht immer wieder dieses Gefühl auf: „Irgendetwas stimmt nicht.“

 

Vielleicht haben sich die eigenen Bedürfnisse und Werte verändert, während das Leben weitgehend gleich geblieben ist.

 

Vielleicht lebt man noch nach Vorstellungen, die mit 25 richtig waren, mit 45 aber nicht mehr passen.

 

Die Systemmeldung lautet dann nicht unbedingt: „Dein Leben ist falsch.“ Sondern zunächst: „

 

Überprüfe deine innere Landkarte. Passen deine Prioritäten, Ziele und Vorstellungen davon, wie du leben möchtest, eigentlich noch zu dem Menschen, der du heute bist?“

 

Das Systemupdate könnte dann beispielsweise lauten:

 

Alt: „Ich muss den Weg weitergehen, für den ich mich einmal entschieden habe.“

 

Update: „Ich darf neu entscheiden, was heute zu meinem Leben passt.“

 

Nicht kaputt, nur bereit für ein Update

 

All diese Beispiele sind am Ende eben nur das: Beispiele.

 

Dieser Gedankentropfen ist vielmehr eine Einladung, die eigene Gefühlswelt einmal genauer wahrzunehmen.

 

Das eigene System zu überprüfen und sich vielleicht bewusst zu werden, dass es an der Zeit für ein Systemupdate ist.

 

Mit einem entscheidenden Unterschied:

 

Ein menschliches System lässt sich nicht so schnell aktualisieren wie ein Computer.

 

Manche Updates brauchen Wochen, andere Monate und manche vielleicht sogar Jahre.

 

Dabei sollten wir nicht vergessen, dass sich unser Leben fortlaufend verändert und unser inneres System immer wieder mit neuen Realitäten konfrontiert wird.

 

Ein unangenehmes Gefühl könnte eine Systemmeldung sein:

 

„Achtung: Deine bisherige Strategie und deine gegenwärtige Wirklichkeit passen nicht mehr zusammen.“

 

Wir reparieren damit nicht unbedingt etwas, das kaputt ist.

 

Wir aktualisieren etwas, das einmal funktioniert hat und auch weiterhin funktionieren kann.

 


Kerntropfen

 

Gefühle sind keine lästige Störung

Unangenehme Gefühle tauchen manchmal scheinbar aus dem Nichts auf und bringen unsere Pläne und Wünsche durcheinander. Oft wollen wir deshalb vor allem eines: dass sie möglichst schnell wieder verschwinden.

 

Wir haben kaum gelernt, mit Gefühlen umzugehen

Während wir viel darüber lernen, wie wir denken, planen und Probleme lösen, lernen viele von uns erstaunlich wenig darüber, wie wir Gefühle wahrnehmen, verstehen und einordnen können.

 

Gefühle sind massiv unterschätzte Tools

Gefühle führen in unserem Alltag häufig ein Schattendasein. Dabei liefern sie uns wichtige Informationen darüber, wie wir unsere Umwelt, andere Menschen und unser eigenes Leben erleben.

 

Gefühle sind heimliche Regisseure

Gefühle gehören zu den mächtigsten Treibern unseres Verhaltens und unserer Entscheidungen. Häufig bemerken wir ihren Einfluss nicht einmal, während wir uns selbst für ausgesprochen rationale Wesen halten.

 

Gefühl und Verstand gehören zusammen

Es geht nicht um Gefühl gegen Verstand. Emotion und Kognition sind eng miteinander verflochten und beeinflussen gemeinsam, wie wir wahrnehmen, denken, entscheiden und handeln.

 

Gefühle können Systemmeldungen sein

Betrachten wir uns selbst als komplexes System, können starke unangenehme Gefühle eine wichtige Meldung enthalten: Irgendetwas in unserem bisherigen Umgang mit dem Leben funktioniert unter den aktuellen Bedingungen nicht mehr.

 

Manche Meldungen lassen sich nicht ewig wegklicken

Überforderung, Einsamkeit, Zukunftsängste oder anhaltende Unzufriedenheit können irgendwann so laut werden, dass wir sie nicht mehr ignorieren können. Sie zwingen uns dazu, genauer hinzuschauen.

 

Nicht jede Systemmeldung verlangt dasselbe Update

Einsamkeit kann auf fehlende Verbundenheit hinweisen, Überforderung auf notwendige Grenzen und Zukunftsangst auf unseren Wunsch nach Sicherheit. Jedes Gefühl kann eine andere Botschaft und damit ein anderes Update enthalten.

 

Das alte System war nicht unbedingt falsch

Viele unserer Strategien, Überzeugungen und Vorstellungen haben einmal hervorragend funktioniert. Doch unser Leben verändert sich. Was früher zu uns und unserer Lebenssituation passte, muss heute nicht mehr passen.

 

Vielleicht ist es Zeit für ein Update

Unangenehme Gefühle müssen nicht bedeuten, dass etwas mit uns nicht stimmt. Vielleicht sollten wir sie deshalb nicht sofort wie ein nerviges Pop-up wegklicken, sondern die Nachricht dahinter lesen: Dein Leben hat sich verändert. Vielleicht ist es Zeit, dass sich dein inneres System mitverändert.


Gedankentropfen zum Weitergeben




Die 5 letzten Gedankentropfen








Erhalte die Gedankentropfen jeden zweiten Samstagmorgen in deinem Postfach und als Willkommensgeschenk erhältst du eine Einführung in die Achtsamkeit/Meditation

Mit Ihrer Anmeldung stimmen Sie der Nutzung Ihrer Daten für die 'Wöchentlichen Gedankentropfen' zu. Ihre Daten bleiben sicher, werden nicht weitergegeben, und Sie können sich jederzeit abmelden. Datenschutz.

 


Kommentare


bottom of page