049 Der Weg ist nicht das Ziel - aber das Ziel auch nicht
- Ronny

- 14. März
- 6 Min. Lesezeit
Die Gedankentropfen zum Hören
Der Weg ist nicht das Ziel
Marie von Ebner-Eschenbach
Hast du dich jemals ernsthaft gefragt, was du wirklich willst?
Eine glückliche Beziehung, ein erfüllender Beruf, ein schönes Zuhause, tolle Kinder, innerer Frieden oder vielleicht etwas ganz anderes?
Es ist eine trickreiche Frage, denn etwas zu wollen, kann im gleichen Moment ein Eingeständnis sein, jetzt einen Mangel zu erfahren. Das sagt schon ein Teil der Definition eines Zieles:
Ein Ziel ist ein gewünschtes Ergebnis, das sich vom aktuellen Zustand unterscheidet.
Mit anderen Worten: Wir wollen etwas, weil unser jetziger Zustand noch nicht ganz so ist, wie wir ihn gerne hätten.
Doch hier eine gewagte Frage:
Wäre es möglich, dass wir weder das Ziel selbst wirklich wollen, noch den Weg dorthin?
Und falls das stimmt, was wollen wir dann eigentlich?

Was uns in Bewegung bringt
Der Weg ist nicht das Ziel. Das Ziel eines Ziels ist auch nicht unbedingt Zufriedenheit.
Denn würde sie sich sofort einstellen, hätten wir keinen Grund mehr weiterzugehen.
Was uns zunächst antreibt, ist etwas anderes:
ein Anreiz.
Eine Vorstellung davon, dass sich der Weg lohnen könnte.
Die Zufriedenheit kommt meist erst später. Sie erfüllt eine andere Funktion.
Sie hilft uns zu prüfen, ob sich unser Einsatz gelohnt hat. Sie verifiziert und kalibriert gewissermaßen unsere Entscheidungen.
Anreize kann es viele geben, wie die Geschichte dreier Steinmetze zeigt:
Ein Reisender kommt an einer Baustelle vorbei und fragt drei Steinmetze, was sie tun.
Der erste sagt: „Ich haue Steine.“
Der zweite sagt:„Ich verdiene meinen Lebensunterhalt.“
Und der dritte sagt:„Ich baue eine Kathedrale.“
Wir wissen nicht genau, was die drei wirklich antreibt.
Vielleicht macht es dem ersten einfach Spaß, Steine zu hauen. Der zweite denkt womöglich an seine Familie. Der dritte sehnt sich vielleicht nach Anerkennung oder Bedeutung.
Was uns wirklich antreibt
Gehen wir mal von der Annahme aus, dass Ziele auf jeden Fall Orientierung geben.
Die Zufriedenheit ist dabei nicht das, was uns zunächst antreibt. Sie kommt meist erst später ins Spiel. Ihre Aufgabe ist es, das Ergebnis zu überprüfen.
Was uns wirklich in Bewegung bringt, sind Anreize und Motivation.
Ein Anreiz ist etwas, das unser Verhalten auslöst. Etwas, das uns attraktiv erscheint und uns in eine Richtung zieht.
Das kann vieles sein: Belohnung, Anerkennung, Geld, Erfolg oder auch einfach Lob.
Motivation ist der innere Prozess, der unser Verhalten aktiviert, ausrichtet und aufrechterhält, damit wir ein Ziel verfolgen. Ansonsten würden wir einfach auf dem Sofa sitzen bleiben.
Neurobiologisch spielt dabei vor allem unser Dopamin-System eine wichtige Rolle.
Es sorgt dafür, dass wir Energie investieren und auf ein erwartetes Ergebnis hinarbeiten.
Die erhoffte Zufriedenheit erfüllt dann eine andere Funktion. Sie dient der Verifikation und der Kalibrierung.
Das Gehirn lernt: Dieses Verhalten hat sich gelohnt, mach das wieder.
Gleichzeitig bewertet es: War der Aufwand sinnvoll? War das Ziel wirklich lohnend?
Fällt die Zufriedenheit hoch aus, wird das Verhalten verstärkt.
Fällt sie gering aus, passen wir entweder den Weg oder das Ziel neu an.
Bevor wir uns der entscheidenden Frage nähern, was wir wirklich wollen, lohnt sich ein Blick auf einige typische Hindernisse beim Setzen von Zielen und auf dem Weg dorthin.
Zu viele Wege
Manchmal steht man vor einer schier unendlichen Auswahl an Wegen und fragt sich:
Welchen soll ich gehen?
Neulich begegnete mir der Begriff Analysis Paralysis.
Er beschreibt eine Situation, in der Menschen so lange analysieren und abwägen, dass sie am Ende gar keine Entscheidung mehr treffen.
Albert Einstein sagte mal:
"Information ist nicht Wissen. Die einzige Quelle des Wissens ist Erfahrung und wir brauchen Erfahrung, um Weisheit zu erlangen."
Die Währung unseres Lebens
Ziele kosten Zeit und Energie. Das ist der Preis.
Die in Anspruch genommene Lebenszeit und Lebensenergie.
Je älter man wird, desto deutlicher spürt man, wie wertvoll diese Ressourcen sind.
Man kann es sich wie ein unsichtbares Konto vorstellen. Ein Lebenskonto, von dem wir ständig abheben.
Für jede Entscheidung, jeden Weg, jedes Ziel investieren wir Zeit und Energie.
Der Unterschied zu einem gewöhnlichen Bankkonto ist jedoch:
Dieses Konto lässt sich nicht überziehen – und es lässt sich auch nicht wieder auffüllen.
Der Preis des Fokus
Um ein Ziel zu erreichen, braucht es Fokus.
Das bedeutet, sich für eine gewisse Zeit auf eine Richtung zu konzentrieren und vieles andere auszublenden.
Denn jede Entscheidung für etwas ist immer auch eine Entscheidung gegen etwas anderes.
Vielleicht gehört deshalb noch eine weitere Frage dazu:
Wogegen möchte ich mich nicht entscheiden?
Weitere Fallstricke von Zielen
Es gibt viele weitere Fallstricke bei Zielen:
zu vage Ziele, die uns keine klare Richtung geben und uns nicht konkret werden lassen.
Zu viele Ziele gleichzeitig, die unsere Aufmerksamkeit zerstreuen und dazu führen, dass wir nirgendwo wirklich ankommen.
Ziele, die gar nicht wirklich unsere eigenen sind, sondern aus Erwartungen anderer entstehen.
Manche Ziele sind zudem zu starr formuliert, sodass wir vergessen, sie an veränderte Lebensumstände anzupassen.
Und manchmal richten wir unseren Blick so stark auf das Ergebnis, dass wir aus dem Auge verlieren, ob der Weg dorthin überhaupt zu uns passt.
Die entscheidende Frage
Oft sind Fragen die besseren Antworten.
In diesem Sinne lass uns zum Anfang zurückkehren und zur gewagten These, dass wir weder den Weg, noch das Ergebnis eines Ziels wollen.
Wenn du vor einer Weichenstellung in deinem Leben stehst, wichtige Entscheidungen anstehen oder du dich fragst, was du wirklich willst, lass eine andere Frage einmal wirken:
Nicht „Was möchte ich erreichen?“, sondern „Wie möchte ich mich fühlen?“
Vielleicht verbirgt sich genau diese Frage hinter vielen unserer Ziele und Motivationen.
Ob wir Erwartungen erfüllen wollen, Lob suchen, Anerkennung, Prestige, Geld oder uns selbst etwas beweisen möchten.
Hinter vielen dieser Anreize steht am Ende die Hoffnung auf ein bestimmtes Gefühl.
Vielleicht lohnt es sich deshalb, gleich bei dieser Frage anzusetzen:
Wie möchte ich mich fühlen?
Gefühle lassen sich jedoch nicht einfach auswählen.
Deshalb gebe ich dir noch einen Gedanken mit auf den Weg:
Man kann Lebensbedingungen schaffen, in denen bestimmte Gefühle wahrscheinlicher werden.
Wäre das vielleicht ein lohnenswertes Ziel?
Wenn du mehr zum Thema Entscheidungen treffen erfahren möchtest, lies gerne hier weiter.
Kerntropfen
Ziele entstehen aus einem empfundenen Unterschied
Ein Ziel ist per Definition ein gewünschter Zustand, der sich vom aktuellen Zustand unterscheidet. Wenn wir etwas wollen, erkennen wir damit gleichzeitig an, dass unser jetziges Leben noch nicht ganz so ist, wie wir es gerne hätten.
Wollen wir wirklich Ziel und Weg?
Eine provokante Frage lautet: Wollen wir tatsächlich das Ziel selbst oder den Weg dorthin? Oder verfolgen wir Ziele oft nur, weil wir uns davon etwas anderes erhoffen.
Der eigentliche Antrieb ist der Anreiz
Was uns in Bewegung bringt, ist meist nicht Zufriedenheit, sondern ein Anreiz. Eine Vorstellung davon, dass sich ein bestimmtes Verhalten oder ein bestimmter Weg lohnen könnte.
Zufriedenheit als Prüfmechanismus
Die Zufriedenheit tritt meist erst nach einer Handlung auf. Sie dient dazu zu überprüfen, ob sich der Einsatz gelohnt hat und hilft uns, zukünftige Entscheidungen besser einzuschätzen.
Unterschiedliche Bedeutungen desselben Handelns
Die Geschichte der drei Steinmetze zeigt, dass Menschen dieselbe Tätigkeit ganz unterschiedlich erleben können. Während einer nur Steine haut, verdient ein anderer Geld und der dritte sieht sich als Teil eines großen Bauwerks.
Motivation und Dopamin im Gehirn
Motivation ist der innere Prozess, der unser Verhalten aktiviert, ausrichtet und aufrechterhält. Neurobiologisch spielt dabei vor allem das Dopamin-System eine Rolle, das uns Energie investieren lässt, um erwartete Ergebnisse zu erreichen.
Zu viele Optionen können Entscheidungen blockieren
Wenn Menschen zu viele Möglichkeiten haben, können sie in eine sogenannte Analysis Paralysis geraten. Statt eine Richtung zu wählen, analysieren sie so lange, bis am Ende gar keine Entscheidung mehr getroffen wird.
Zeit und Energie sind die Währung des Lebens
Jedes Ziel kostet Lebenszeit und Lebensenergie. Diese Ressourcen sind begrenzt und lassen sich nicht wieder auffüllen. Jede Entscheidung bedeutet daher auch eine Investition aus diesem persönlichen Lebenskonto.
Fokus bedeutet immer auch Verzicht
Die Geschichte des Zen-Schülers zeigt, dass Zielerreichung oft Konzentration auf das Wesentliche verlangt. Wer den Mittelpunkt der Scheibe treffen will, muss vieles andere ausblenden. Jede Entscheidung für etwas ist daher immer auch eine Entscheidung gegen anderes.
Die vielleicht wichtigste Frage: Wie möchte ich mich fühlen?
Hinter vielen Zielen steht letztlich die Hoffnung auf ein bestimmtes Gefühl. Statt nur zu fragen, was wir erreichen wollen, kann es hilfreich sein zu überlegen, wie wir uns fühlen möchten und Lebensbedingungen zu schaffen, in denen diese Gefühle wahrscheinlicher werden.
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