047 Ein geliehenes Leben - Behandle dein Leben wie das deiner besten Freunde
- Ronny

- 14. Feb.
- 8 Min. Lesezeit
Die Gedankentropfen zum Hören
Nachklang zum letzten Gedankentropfen
Die Inspirationen für die Gedankentropfen haben unterschiedliche Quellen. Bücher, Podcasts, Musik, Filme oder Gespräche.
Für den letzten Gedankentropfen „Ist es schwer, mit offenem Herzen durchs Leben zu gehen?“ spielte dieser Song eine Rolle. Hör gerne einmal rein und leg dir vorher besser ein paar Taschentücher bereit.
Auf die zentrale Frage dieses Liedes findest du meine Antwort hier.
Und nun zum heutigen Gedankentropfen.
Ein geliehenes Leben
In einem animierten, japanischen Film wacht Mitsuha plötzlich im Körper einer anderen Person auf.
Sie erkennt ihre Umgebung nicht, schaut in den Spiegel und entdeckt, dass ihr Geist im Körper eines Jungen steckt.
Währenddessen wacht der Junge names Taki in ihrem Körper auf und ist genauso überrascht und überfordert.
Anfangs glauben beide an eine Art Traum, denn der Wechsel dauert nur einen Tag, bevor sie wieder in ihrem eigenen Körper auftauchen.
Doch das Erlebnis wiederholt sich und schnell wird eine Frage sehr präsent:
Wie gehen sie mit dem jeweils anderen Körper und Leben um?
Ein Jahr im Leben eines anderen
Diese Frage möchte ich heute an dich weitergeben.
Wenn du eines Tages im Körper und im Leben einer anderen Person aufwachen würdest und wüsstest, dass du ein ganzes Jahr lang dieses fremde Leben leben wirst, wie würdest du damit umgehen?
Vielleicht braucht es einen kurzen Moment, um sich auf dieses Gedankenexperiment einzulassen, denn die Vorstellung ist alles andere als alltäglich.
Du wachst plötzlich im Körper und im Leben eines anderen Menschen auf und bleibst dort für ein ganzes Jahr.
Und um dem Ganzen noch mehr Gewicht zu geben, stell dir vor, es ist eine Person, die dir nahesteht.
Ein sehr guter Freund oder eine sehr gute Freundin.
Ein fremder Morgen
Du wachst eines Morgens auf und gehst Richtung Frühstückstisch.
Schon beim ersten Schritt merkst du, dass sich alles anders anfühlt.
Die Körperbalance ist ungewohnt, der Geruch fremd, das Gefühl deiner Füße auf dem Boden nicht das, was du kennst.
Du setzt dich, schaust auf Hände, die nicht deine sind, und begreifst Schritt für Schritt, was hier gerade geschieht.
Selbst der morgendliche Kaffee schmeckt anders, als du es gewohnt bist.
Während du am Frühstückstisch sitzt, tauchen die ersten Fragen auf. Darfst du in diesem Körper überhaupt Kaffee trinken?
Lebt diese Person alleine oder teilt sie ihr Zuhause?
Und was frühstückt dein Freund oder deine Freundin eigentlich gerne?
Ein gesichertes Experiment
Um den vielen verwirrenden Fragen zu Beginn etwas Druck zu nehmen, stell dir vor, es handelt sich um ein gesichertes Experiment.
Dein eigener Körper schläft für ein Jahr, es geht ihm gut, und nach genau diesem Jahr wirst du wieder in deinem eigenen Körper aufwachen.
Für dieses eine Jahr lebst du nun im Körper einer vertrauten oder auch einer völlig fremden Person und führst ihr Leben weiter.
Es ist ein geliehenes Leben. Was für eine unglaublich krasse Verantwortung!

Ein Sturm aus Fragen
Vermutlich würden zu Beginn unzählige Fragen in den Kopf schießen, begleitet von einem Gefühl der anfänglichen Überforderung.
Wie soll man dieser Verantwortung gerecht werden?
Worauf müsste man bei diesem Körper besonders achten?
Müsste ich jetzt regelmäßig Sport treiben, zum Arzt gehen und mich gesund ernähren?
Wie verhalte ich mich in diesem neuen Privatleben mit all seinen Beziehungen?
Welche Erwartungen hätte die andere Person wohl an mich und was darf ich auf keinen Fall kaputt machen?
Falls dich diese Was wäre wenn Szenarien ansprechen, findest du in diesem Gedankentropfen hier sieben weitere.
Während du das heutige Gedankenexperiment auf dich wirken lässt, fällt dir vielleicht auf, wie sorgsam man darüber nachdenkt.
Fast so, als stecke eine Art pflegerisches Element in diesen Überlegungen.
Das ist nicht weiter verwunderlich.
Sind wir auf den Hund gekommen?
Denn im Vorfeld dieses Gedankenexperiments bin ich auf Folgendes gestoßen:
In einer Umfrage aus dem Jahr 2023 zeigte sich, dass 17,3 Prozent aller befragten Hundebesitzer in den USA eine Antibiotikabehandlung für ihren Hund nicht vollständig zu Ende führen.
Eine Studie aus den USA aus dem Jahr 2022 ergab, dass 38 Prozent der Menschen ihre eigene antibiotische Behandlung vorzeitig abbrechen.
Der Unterschied ist bemerkenswert.
Wenn ein Mensch bereits mit der Gesundheit eines Hundes sorgsamer umgeht als mit der eigenen, dann stell dir vor, du trägst für ein ganzes Jahr die Verantwortung für eine dir nahestehende Person.
In diesem Gedankenexperiment ist es schließlich so, dass du dir nicht nur für ein Jahr das Leben eines anderen Menschen leihst, sondern es am Ende dieses Jahres auch wieder zurückgeben sollst.
Geliehene Vorteile
Vielleicht gäbe es auch Momente, in denen man beginnt, die Vorzüge eines anderen Körpers oder Geistes zu genießen.
Eigenschaften, die man selbst nicht besitzt.
Vielleicht ist dieser Körper attraktiver oder sportlicher.
Vielleicht gibt es eine künstlerische Ader, die man im eigenen Leben nie hatte und der man nun Ausdruck verleihen darf.
Vielleicht lebt man sogar im Körper eines anderen Geschlechts.
Ich persönlich würde vermutlich viele handwerkliche Tätigkeiten angehen.
Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser andere Avatar darin geschickter ist als ich, erscheint mir recht hoch.
Und selbst wenn man beginnt, die Vorzüge dieses fremden Avatars zu nutzen, kämen dabei vermutlich vor allem produktive Möglichkeiten in den Sinn.
Sehr gut erhalten
Die Kernfragen, die bei uns allen vermutlich auftauchen würden, gehen alle in eine ähnliche Richtung.
Wie kann ich diesen Körper und diesen Geist, die mir für ein Jahr anvertraut wurden, im bestmöglichen Zustand wieder zurückgeben.
Scheckheftgepflegt, am besten mit Sternchen.
Und vielleicht sogar mit neuen Fähigkeiten, Erkenntnissen oder richtig guten Erlebnissen und Erinnerungen.
Zwischen Eigen- und Fremdverantwortung
Im fremden Körper ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass man regelmäßig zum Sport geht, Arzttermine wahrnimmt, sich einigermaßen gesund ernährst, Beziehungen pflegt und bewusst auf schöne, erinnerungswürdige Erfahrungen setzt.
Gleichzeitig ist es sehr viel unwahrscheinlicher, dass man sich selbst quält oder sich verbissen durchs Leben kämpft, die Gesundheit vernachlässigst, nur zu funktionieren versucht, Beziehungen schleifen lässt, um Leistung zu bringen, zu den Karteileichen im Fitnessstudio gehört oder den nächsten Vorsorgetermin verpasst.
Perspektivenwechsel
Vermutlich ahnst du bereits, worauf ich an dieser Stelle hinaus möchte.
Stell dir vor, du könntest all die positive Energie, die du im fremden Körper deines Freundes für ihn aufbringst, auf dich selbst richten.
Diese pflegerische, mitfühlende und liebevolle Art, mit der du in der Fremdverantwortung für deinen Freund sorgst, im Hier und Jetzt auf dich selbst überträgst.
Highway to Idealvorstellung
Falls du in deinem Leben gerade auf dem Highway to Hell, wahlweise Highway to Idealvorstellung, unterwegs bist, typisch deutsch mit 200 kmh ohne Tempolimit auf der Autobahn, während du einer selbst erschaffenen Idealvorstellung hinterherfährst, dann stell dir ein riesiges Umleitungsschild mitten auf diese achtspurige Autobahn.
Ein Schild, so groß, dass selbst die hartnäckigsten Gehirnareale deines Egos es nicht mehr verdrängen können. Und dann folge dieser Umleitung.
Stell dir vor, sie führt mit 60 kmh über Landstraßen, mit schöner Aussicht und Einkehrmöglichkeiten.
Und auf dieser Umleitung sitzt du im Körper deines besten Freundes. Bleib dort. Komm für mindestens ein Jahr nicht mehr zurück auf den Highway to Idealvorstellung.
In diesem Jahr wäre genügend Zeit, sich ein paar Fragen zu stellen.
Was wäre, wenn du für das kommende Jahr dein eigenes Leben, deinen Körper und deinen Geist sowie alles, was dazugehört, von Beziehungen bis zur Gesundheit, so behandeln würdest, als wärst du für ein Jahr im Körper und im Geist deines besten Freundes?
Würde sich etwas verändern? Und wenn ja, womit könntest du noch heute beginnen, nach dem Hören oder Lesen dieses Gedankentropfens?
Routinen tröpfeln ein
Falls ich dich heute motivieren konnte, sorgsamer und gesünder mit dir selbst umzugehen, erlaube dir, Veränderungen nicht radikal umzusetzen, sondern Schritt für Schritt anzugehen.
Auf diese Weise können gesunde Routinen nachhaltig und wirksam in dein Leben integriert werden.
Wie sind Mitsuha und Taki mit der Situation umgegangen?
Nach den ersten Tauschen sind beide vor allem irritiert, peinlich berührt und überfordert.
Sie machen Fehler, stolpern durch den Alltag des anderen, verletzen unbeabsichtigt Grenzen und bringen soziale Situationen durcheinander.
Nachdem Mitsuha und Taki mehrfach die Körper tauschen, beginnen sie, Verantwortung füreinander zu übernehmen:
Sie hinterlassen Nachrichten, führen Tagebücher auf dem Handy des anderen und versuchen, das jeweilige Leben nicht zu beschädigen, sondern zu schützen.
Doch Taki findet eines Tages heraus, dass Matsuha bereits vor drei Jahren gestorben ist.
Gar nicht übel
Da dieses Gedankenexperiment bereits ohne Zeitsprung herausfordernd genug sein kann, lassen wir ihn heute der Einfachheit halber weg und konzentrieren uns noch einmal auf das Wesentliche.
Behandle dein eigenes Leben so, als wäre es das Leben deines besten Freundes.
Und da dieses Leben vermutlich gar nicht so schlecht ist, wünsche ich dir vor allem viel Freude und Spaß dabei.
Wir hören uns beim nächsten Gedankentropfen.
Kerntropfen
Kerntropfen
Ein fremdes Erwachen
Stell dir vor, du wachst im Körper eines anderen, dir nahe stehenden Menschen auf. Ein anderer Körper, ein anderes Leben, ein anderer Alltag. Schon dieser Gedanke reicht aus, um Gewohntes in Frage zu stellen.
Überforderung als Anfang
Mit diesem fremden Leben tauchen Unsicherheit und viele Fragen auf. Wie soll man damit umgehen, was ist richtig, was falsch.
Ein sicherer Rahmen
Das Gedankenexperiment bleibt geschützt. Dein eigenes Leben pausiert, dein Körper ist in Sicherheit. Diese Gewissheit schafft Raum, Verantwortung ernst zu nehmen, ohne Angst zu haben, etwas unwiederbringlich zu verlieren.
Fürsorge entsteht von selbst
Gesundheit, Routinen und Beziehungen werden im fremden Leben plötzlich mit mehr Sorgfalt behandelt. Aus Respekt vor dem Leben, das dir anvertraut wurde.
Der Blick auf Eigen und Fremdverantwortung
Studien zeigen, dass Menschen mit der Gesundheit anderer oft gewissenhafter umgehen als mit ihrer eigenen. Dieser Unterschied macht sichtbar, wie unterschiedlich Eigen- und Fremdverantwortung gelebt werden.
Geliehene Verantwortung
Im Gedankenexperiment wird dir ein anderes Leben für ein Jahr lang anvertraut. Die Vorstellung, es nach einem Jahr zurückzugeben, verändert den Blick auf Entscheidungen, Grenzen und Prioritäten.
Die zentrale Frage wird greifbar
Wie kann ich dieses Leben gut erhalten. Vielleicht sogar besser, als ich es vorgefunden habe. Angereichert mit Erfahrungen, Erkenntnissen und Erinnerungen.
Die Umleitung vom Idealbild
Das Gedankenexperiment lädt dazu ein, den Highway zum eigenen Idealbild zu verlassen. Statt weiter zu beschleunigen, entsteht die Möglichkeit, langsamer zu werden und eine andere Richtung einzuschlagen.
Der Perspektivwechsel
Auf dieser Umleitung beginnst du, dein eigenes Leben aus der Sicht eines Freundes zu betrachten. Mit mehr Mitgefühl, mehr Geduld und weniger innerer Härte.
Gar nicht so schlecht
Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass auch das eigene Leben es wert ist, gut behandelt zu werden. Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, sich selbst ein Freund zu sein.
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