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053 - Wie wir die Welt wahrnehmen - Realität ist nicht gleich Wirklichkeit

  • Autorenbild: Ronny
    Ronny
  • vor 4 Tagen
  • 6 Min. Lesezeit

Die Gedankentropfen zum Hören

Wie wir die Welt wahrnehmen

 

Ein Mann nimmt nach einem Streit eine Überdosis an Tabletten, weil er sich nicht anders zu helfen wusste.

 

Kurz darauf wird ihm schwindlig, sein Blutdruck fällt dramatisch. Der Mann ist kaum noch in der Lage zu stehen und bricht zusammen.

 

Im Krankenhaus nehmen die Ärzte seinen Zustand sehr ernst. Schließlich schluckte der Mann 29 Tabletten eine Antidepressivums.

 

Doch die Ärzte finden eine andere und sehr überraschende Ursache:

 

Der Mann nahm an einer Studie teil. Er war in der Placebogruppe. Die 29 Tabletten enthielten keinerlei Wirkstoffe.

 

Als der Mann davon erfuhr, verbesserte sich sein Zustand und alle Werte stabilisierten sich.

 

Diese Geschichte ist in den USA tatsächlich passiert und wurde im Jahr 2007 in einem Fachjournal veröffentlicht.

 

Die Überzeugung eine gefährliche Überdosis genommen zu haben, führte zu einer messbaren körperlichen Reaktion.

 

Doch das eigentlich verblüffende an Placebo-Effekten habe ich dir noch garnicht erzählt.


Glück und Zufriedenheit
Wie wir die Welt wahrnehmen

Meister der Einbildung

 

Placebos wirken nicht nur dann, wenn wir an sie glauben. Sie können sogar wirken, wenn wir wissen, dass es sich um Placebos handelt.

 

In Studien bekamen Menschen bewusst wirkungslose Tabletten und wurden genau darüber aufgeklärt.

 

Und trotzdem berichteten viele von weniger Schmerzen, mehr Ruhe oder einer spürbaren Verbesserung ihrer Beschwerden.

 

Wie wir die Welt wahrnehmen

 

Der Begriff Placebo lädt schnell dazu ein, alles in eine Schublade zu stecken.

 

Vielleicht ist es stimmiger, nicht von einem Effekt zu sprechen, sondern davon, wie wir Wirklichkeit erleben.

 

Denn die Realität bleibt gleich. Was sich verändert, ist unser Blick darauf. Unsere innere Geschichte.

 

Körper und Geist scheinen beispielsweise nicht nur auf Placebos zu reagieren, sondern auch auf das, was wir damit verbinden:

 

Ein Ritual, das Gefühl aktiv entgegenzuwirken, ein vertrauter Mensch, der Anteilnahme zeigt und dir etwas nahelegt.

 

Kaum zu Glauben

 

Diese Effekte reichen jedoch weit über das hinaus, was wir gemeinhin als Placebo bezeichnen.

 

Denn wenn sich unser Gehirn auf diese Weise beeinflussen lässt, drängt sich eine einfache Frage auf:

 

Passiert das auch in anderen Bereichen unseres Lebens?

 

Die Antwort ist vermutlich weniger überraschend: ja.

 

Ein naheliegendes Beispiel ist der Glaube.

 

Studien zeigen, dass gläubige Menschen im Schnitt eine höhere Lebenserwartung und eine stabilere mentale Gesundheit haben.

 

Woran das genau liegt, ist jedoch nicht eindeutig geklärt.

 

Liegt es am Glauben selbst?

 

Oder an den Ritualen, der Gemeinschaft, dem Gefühl von Sinn und vielleicht auch an einem insgesamt vorsichtigeren Lebensstil?

 

Kein Tempolimit für Optimisten

 

Auch Optimisten scheinen im Vergleich zu Pessimisten stärker von solchen positiven Effekten zu profitieren.

 

Ihr Denken richtet sich auf Chancen, Möglichkeiten und Lösungen aus.

 

Das Gehirn bekommt gewissermaßen eine klare Richtung vorgegeben und erlebt ein Grundgefühl von Zuversicht:

 

Es geht weiter, irgendwie wird es schon werden.

 

Pessimisten hingegen setzen sich oft unbewusst selbst Grenzen.

 

Ihr Blick bleibt häufiger an Hindernissen hängen, als würden sie sich eigene Stoppschilder aufstellen, noch bevor sie überhaupt losgegangen sind.

 

Fallstricke erkennen

 

Ein Hinweis: Manche neigen dazu, durch solche Effekte die konventionelle Medizin abzulehnen, das sollten wir nicht tun.

 

Eine Krankheit sollte selbstverständlich auch medizinisch behandelt werden.

 

Dennoch gibt es klare Hinweise darauf, dass unsere Einstellung zu etwas, also die Perspektive, aus der wir darauf blicken, nicht nur den Umgang mit schwierigen Zuständen verbessert, sondern auch präventiv Einfluss auf Lebensqualität, Schmerzempfinden und sogar die Lebenserwartung haben kann.

 

Ein weiterer häufiger Irrtum ist zudem die Vorstellung, man müsse nur den richtigen Gedanken lesen, und schon verändert sich das eigene Leben.

 

Optimismus, Glaube oder Achtsamkeit lassen sich jedoch nicht einfach per Entscheidung einschalten.

 

Den eigenen Blick auf das Leben zu verändern ist ein Prozess, der Zeit, Geduld und Übung braucht.

 

Er verläuft zu Beginn oft kaum spürbar, aber stetig. Nicht in großen Sprüngen, sondern eher im Gänseschritt.

 

Ähnlich wie beim körperlichen Training werden die größten Fortschritte oft erst nach Monaten oder sogar Jahren sichtbar.

 

Unser Kopf als Filter

 

In all diesen Fällen, ob Placebo, Beten oder Optimismus, verändert sich die Realität nicht. Was sich verändert, ist unser Erleben und die Art, wie wir in ihr handeln.

 

Vielleicht geht es am Ende vor allem um die innere Erzählung, die wir in uns gestalten. Und dafür gibt es viele Zugänge.

 

Ein naheliegender im Kontext der Gedankentropfen ist die Meditation oder Achtsamkeit.

 

Doch auch andere Wege können in eine ähnliche Richtung führen, etwa Optimismus, Glaube oder das, was wir als Placebo beschreiben.

 

Schon im letzten Gedankentropfen ging es um Narrative. Und um die Erkenntnis:

 

 

Die Realität bleibt, wie sie ist. Doch wie wir sie erleben, läuft durch einen Filter, vermutlich den komplexesten, den wir kennen: unser Gehirn.

 

Die Matrix in deinem Kopf

 

Für heute lässt sich vielleicht festhalten:

 

Die Wahrnehmung von Realität ist nicht nur subjektiv, sondern auch variabel.

 

Wir können sie nicht losgelöst von uns selbst als reine Realität betrachten.

 

Zu Ende gedacht heißt das vielleicht:

 

Die Realität plus dein ganz individueller, wandelbarer Filter namens Gehirn ergeben deine persönliche Wirklichkeit.

 

Dieser Filter bringt Voreinstellungen mit.

 

Geprägt durch deine genetischen Voraussetzungen, durch frühkindliche Erfahrungen, Bewältigungsstrategien und Erlebnisse, die du im Laufe deines Lebens gesammelt hast.

 

Was am Ende dabei herausgefiltert wird, ist also nicht DIE Realität. Es ist eine Interpretation und diese lässt sich beeinflussen.

 

Hier passt einer meiner Lieblingssätze:

 

Du musst nicht alles glauben, was du denkst :)

 

Ein Gedankentropfen für deinen Alltag

 

Für den Alltag lässt sich etwas ganz Einfaches ableiten. In dem Moment, in dem du in einer Situation steckst, kannst du dich fragen:

 

Durch welchen Filter betrachte ich das gerade?

 

Ist es ein Filter, der eher auf Probleme, Zweifel und Grenzen ausgerichtet ist?

 

Oder einer, der Möglichkeiten, Lösungen und Entwicklung sieht?

 

Und denke daran, wenn es nicht sofort umsetzbar erscheint. Es benötigt Monate oder Jahre regelmäßiger Übung, um spürbare Veränderungen zu erreichen.

 

Oft laufen unsere Filter im Hintergrund, automatisch und unbemerkt. Sie sind geprägt von Erfahrungen, Gewohnheiten und dem, was wir gelernt haben. Doch sie sind nicht festgeschrieben.

 

Du kannst damit beginnen aktive Filter und Muster zunächst zu erkennen und mit der Zeit auch zu verändern.

 

Vielleicht hin zu einem Blick, der dir mehr Raum lässt. Der dich weniger antreibt und mehr unterstützt. Der dich nicht sofort begrenzt, sondern Möglichkeiten mitdenkt.

 

Es geht nicht darum, alles positiv zu sehen, sondern bewusster zu wählen, wie du sehen willst.

 

Die Realität bleibt, wie sie ist. Doch dein Blick darauf kann sich öffnen.

 

Und mit ihm oft auch dein Handlungsspielraum.


Kerntropfen

 

Die Kraft der Überzeugung

Die Geschichte des Mannes verdeutlicht, dass allein die Überzeugung, eine gefährliche Überdosis eingenommen zu haben, ausreicht, um starke körperliche Reaktionen auszulösen. Der Körper reagiert nicht nur auf reale Wirkstoffe, sondern auch auf das, was wir für wahr halten.

 

Placebo wirkt stärker als gedacht

Placebos entfalten ihre Wirkung nicht nur durch Glauben, sondern teilweise sogar dann, wenn wir wissen, dass sie keine Wirkstoffe enthalten. Das zeigt, wie tief Erwartung und Wahrnehmung in unser körperliches Erleben eingreifen.

 

Wahrnehmung formt Erleben

Die äußere Realität bleibt konstant, doch unser Erleben dieser Realität wird durch unsere Gedanken und Interpretationen geprägt. Unsere innere Geschichte entscheidet mit darüber, wie wir Situationen empfinden.

 

Die Rolle von Ritualen und Kontext

Nicht nur Substanzen, sondern auch Rituale, zwischenmenschliche Nähe und das Gefühl, aktiv etwas zu tun, können eine spürbare Wirkung auf unser Wohlbefinden haben. Der Kontext spielt dabei eine entscheidende Rolle.

 

Einfluss von Glaube und Sinn

Glaube kann sich positiv auf die mentale Gesundheit und sogar auf die Lebenserwartung auswirken. Mögliche Gründe sind ein stärkeres Gefühl von Sinn, soziale Einbindung und stabilisierende Rituale im Alltag.

 

Optimismus als innerer Antrieb

Optimisten richten ihren Fokus auf Möglichkeiten, Lösungen und Entwicklung. Diese Denkweise gibt dem Gehirn eine klare Richtung und schafft ein Grundgefühl von Zuversicht und Handlungsfähigkeit.

 

Pessimismus als Begrenzung

Pessimistische Gedankenmuster können dazu führen, dass Menschen sich selbst einschränken. Der Blick bleibt stärker an Hindernissen hängen, wodurch Chancen oft gar nicht erst erkannt oder genutzt werden.

 

Balance zwischen Geist und Medizin

Auch wenn mentale Einstellungen einen Einfluss haben, sollten sie niemals als Ersatz für medizinische Behandlung verstanden werden. Körperliche Erkrankungen benötigen weiterhin eine fundierte medizinische Versorgung.

 

Veränderung braucht Zeit

Den eigenen Blick auf die Welt zu verändern ist ein langsamer und oft kaum spürbarer Prozess. Ähnlich wie beim körperlichen Training zeigen sich nachhaltige Veränderungen erst durch regelmäßige Übung über Monate oder Jahre.

 

Der Filter im Kopf

Unsere persönliche Wirklichkeit entsteht durch einen individuellen Filter, der von Erfahrungen, Prägungen und Gewohnheiten beeinflusst wird. Dieser Filter ist veränderbar und bestimmt maßgeblich, wie wir die Welt sehen und auf sie reagieren.


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