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054 - Rückschläge - Kaum etwas formt uns tiefer

  • Autorenbild: Ronny
    Ronny
  • vor 2 Tagen
  • 8 Min. Lesezeit

Die Gedankentropfen zum Hören

Rückschläge

 

Das Leben ist das, was passiert, während wir etwas ganz anderes geplant haben.

 

Jeder kennt sie, jeder hat sie, alle durchlaufen sie: Rückschläge

 

Eine unerwartete Diagnose, ein Todesfall in der Familie, die Trennung von einem langjährigem Partner oder der Verlust des Arbeitsplatzes.

 

Rückschläge gehören zu jedem Leben. Sie treffen uns oft ungebeten, ungefragt und meistens genau dann, wenn wir sie am wenigsten gebrauchen können.

 

Und trotzdem lautet mein heutiger, gleichzeitig mutiger und vielleicht auch etwas trotziger Gedanke dazu:

 

Gut so.

 

Warum ich das sage?

 

Lass es mich dir erklären.


Glück und Zufriedenheit
Rückschläge

Rückschläge - Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

 

Oft fällt auf: Je weiter ein Rückschlag von der Vorstellung entfernt ist, wie unser Leben eigentlich hätte laufen sollen, desto schmerzhafter erleben wir ihn.

 

Denn schon im normalen Alltag entsteht Spannung zwischen Realität und Idealbild.

 

Wenn uns das Leben dann zusätzlich aus der Bahn wirft, vergrößert sich dieser Abstand plötzlich.

 

Nicht nur die Krise selbst schmerzt, sondern der Verlust dessen, wie wir uns unser Leben vorgestellt haben.

 

Bedeutet das nun, dass wir keine Wünsche, Ziele oder Träume mehr haben sollten?

 

Nein, ganz sicher nicht.

 

Aber vielleicht können wir lernen, mit dem Leben anders umzugehen. Weniger kontrollierend und etwas flexibler gegenüber dem, was wir nicht ändern können.

 

Ganz nach den Worten von Jon Kabat-Zinn:

 

„Du kannst die Wellen nicht verhindern, aber du kannst lernen zu surfen.“

 

Teil des Menschseins

 

Lass uns gemeinsam herausfinden, wie wir lernen können, besser mit Rückschlägen umzugehen.

 

Und vielleicht braucht es dafür auch etwas Mut. Denn manche Erkenntnisse sind unbequem. Manche wollen wir lieber verdrängen, statt ihnen wirklich ins Gesicht zu schauen.

 

Vielleicht gehört auch die erste Erkenntnis dazu:

 

Hör auf, ein Leben ohne Rückschläge zu erwarten.

 

Oder anders gesagt: Mach dir bewusst, dass sie kommen werden. Und dass die meisten von ihnen unangekündigt auftauchen.

 

Es ist oft nicht das Auto, das wir sehen, das uns umhaut. Sondern das, mit dem wir niemals gerechnet haben.

 

Vielleicht liegt einer der größten Denkfehler darin zu glauben, irgendwann müsse das Leben endlich „laufen“. Irgendwann müsse dauerhaft Ruhe einkehren.

 

Doch selbst die glücklichsten, erfolgreichsten und stärksten Menschen erleben Krankheit, Enttäuschung, Unsicherheit, Scheitern und Verlust.

 

Niemand wird dauerhaft vom Leben verschont. Und paradoxerweise kann genau diese Erkenntnis entlastend sein.

 

Denn wer akzeptiert, dass Rückschläge zum Leben dazugehören, erlebt sie oft nicht mehr als persönliches Versagen oder ungerechte Ausnahme, sondern als Teil des Menschseins.

 

Wozu, nicht warum

 

Und damit kommen wir zum zweiten Punkt:

 

Nicht: „Warum passiert das ausgerechnet mir?“

Sondern: „Wozu könnte das gut sein?“

 

Diese Frage verändert den Blickwinkel. Sie lenkt unsere Aufmerksamkeit weg von reiner Ohnmacht und vorsichtig hin zu möglichen Entwicklungsschritten.

 

Natürlich ist der erste Impuls bei einem Rückschlag oft ein ganz anderer.

 

Wir ärgern uns. Werden wütend. Fühlen tiefe Trauer. Manche Krisen hinterlassen sogar Spuren, die weit über den eigentlichen Moment hinausgehen:

 

Angstzustände, Depressionen oder tiefe seelische Verletzungen.

 

Und nicht selten stehen wir plötzlich vor den größten Herausforderungen unseres Lebens.

 

All das soll die enorme Wucht verdeutlichen, die Lebenskrisen entfalten können. Manche Phasen erschüttern uns bis ins Mark.

 

Und mitten in dieser Krise darf sich langsam eine weitere Frage dazugesellen.

 

Wozu ist das alles gut? Was könnte daraus entstehen?Was kann ich daraus machen?

 

Was Krisen aus uns machen können

 

Ich persönlich habe im Umgang mit Lebenskrisen mittlerweile eine Art gesunden Trotz entwickelt.

 

Das ist mein Weg damit umzugehen. Vermutlich muss jeder Mensch seinen eigenen Zugang finden.

 

Doch wenn heute ein Rückschlag in mein Leben tritt, sage ich mir innerlich oft:

 

„Na warte, du verdammter Rückschlag. So schnell kriegst du mich nicht klein. Ich werde herausfinden, wie ich durch dich mein Leben irgendwann besser machen kann, als es vorher war.“

 

Und dann kann etwas entstehen, das zunächst völlig paradox wirkt:

 

Dankbarkeit für den Rückschlag.

 

Denn obwohl es Phasen im Leben gibt, in denen man felsenfest überzeugt ist:

 

„Aus diesem Loch komme ich nie wieder heraus.“„Diese Krise werde ich nicht bewältigen.“„Ich halte das alles nicht mehr aus.“

 

und das Leben einen hinwegfegt wie ein Tornado ein Auto durch die Luft wirbelt, wächst man manchmal genau durch diese Krise hindurch.

 

Man lernt sich selbst kennen. Wirklich kennen.

 

Man begegnet sich selbst im tiefsten Inneren. Lernt die eigenen Grenzen kennen, aber auch die eigenen Kräfte. Entdeckt Seiten an sich, die vorher verborgen waren.

 

Und wenn wir lernen, diese Energie in eine neue Richtung zu lenken, können wir gestärkt aus Krisen hervorgehen.

 

Drei Punkte

 

Es gibt unzählige Möglichkeiten, mit Rückschlägen umzugehen. Und mit Sicherheit ist auch dieser Gedankentropfen nicht vollständig.

 

Doch diese drei Punkte möchte ich dir heute besonders ans Herz legen:

 

  1. Mach dir bewusst: Rückschläge gehören zum Leben.

  2. Frage nicht nur „Warum ich?“, sondern auch: „Wozu könnte das gut sein?“

  3. Entwickle Dankbarkeit für die Entwicklungsmöglichkeiten, die darin verborgen liegen.

 

Und selbst damit haben wir das Thema wahrscheinlich nur an der Oberfläche berührt.

 

Denkanstöße

 

Neben diesem grundsätzlichen Ansatz im Umgang mit Rückschlägen gibt es unzählige weitere Gedanken, Werkzeuge und Perspektiven.

 

Man könnte diesem Thema problemlos eine ganze Reihe von Gedankentropfen widmen.

 

Doch die Tropfen haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sondern auf Denkanstöße.

 

Hier sind noch ein paar weitere Gedanken, die dir vielleicht helfen können, wenn das Leben dich wieder einmal aus der Bahn wirft.

 

Therapiesamkeit

 

Eine Kombination aus Therapie und Achtsamkeit hat sich für viele Menschen als besonders hilfreich erwiesen.

 

Vereinfacht gesagt arbeitet Therapie oft „top down“: über Verstehen, Reflektieren und Gedankenmuster hin zu neuen Gefühlszuständen und Verhaltensweisen.

 

Achtsamkeit wirkt dagegen eher „bottom up“: über das direkte Spüren, die Regulation des Nervensystems und den bewussten Umgang mit Emotionen.

 

Die Therapie hilft uns dabei zu verstehen. Die Achtsamkeit hilft uns dabei zu fühlen.

 

Und wenn beides beginnt zusammenzuwirken, entsteht oft eine stabile Grundlage, um Krisen bewusster und kraftvoller zu bewältigen.

 

Die Krise ist eine Momentaufnahme

 

In Lebenskrisen neigen wir häufig dazu, in extremen Schwarz-Weiß-Mustern zu denken und diese Gedanken wirken in solchen Momenten oft absolut wahr.

 

Wir glauben dann zum Beispiel:

 

„Ich schaffe das nicht.“„Ich halte das nicht aus.“„Wie soll ich nur diese Zukunft bewältigen?“

 

Doch dabei übersehen wir oft etwas Entscheidendes:

 

Wir leben unser Leben niemals auf einmal. Wir leben es immer nur in diesem einen Moment gerade jetzt.

 

Vielleicht müssen wir also gar nicht die gesamte Krise auf einmal bewältigen.

 

Vielleicht reicht es manchmal, nur den jetzigen Moment zu tragen. Den nächsten Schritt zu gehen. Den heutigen Tag zu überstehen.

 

Und aus vielen einzelnen Momenten entsteht dann langsam wieder ein Weg.

 

Allein dieser Gedanke wäre vermutlich bereits einen eigenen Gedankentropfen wert.

 

Das Leben auf mehrere Säulen bauen

 

Manche Menschen bauen ihr gesamtes Leben auf nur eine einzige Säule auf.

 

Ein klassisches Beispiel ist der Mensch, dessen gesamter Selbstwert fast ausschließlich über den Beruf entsteht.

 

Fällt diese eine Säule weg, fühlt es sich plötzlich an, als würde das ganze Leben zusammenbrechen.

 

Doch ein erfülltes Leben besteht aus weit mehr als nur Arbeit oder Erfolg.

 

Freundschaften. Gesundheit. Familie. Sinn. Hobbys. Ruhe. Persönliches Wachstum. Verbundenheit. Vielleicht auch Spiritualität oder Mitgefühl.

 

Je mehr tragende Säulen ein Leben besitzt, desto stabiler wird es.

 

Denn wenn eine Säule wegbricht, stürzt nicht sofort das gesamte Kartenhaus ein.

 

Rückschläge sind kein Urteil über dich

 

Ein gescheiterter Plan bedeutet nicht, dass du gescheitert bist.

 

Doch genau dazu neigt unser Gehirn oft. Aus einzelnen Ereignissen machen wir plötzlich eine ganze Identität.

 

Aus: „Etwas hat nicht funktioniert“

 

wird schnell:

 

„Ich habe versagt.“

 

Dabei lohnt es sich, einen Schritt zurückzutreten und sich ehrlich zu fragen:

 

Was davon stand überhaupt wirklich unter meiner Kontrolle?

 

Und noch etwas kann helfen:

 

Wie viele Menschen haben in ihrem Leben bereits eine ähnliche Krise erlebt? Hunderte? Tausende? Millionen?

 

Du bist nicht allein damit.

 

Krisen, Fehler, Verluste und Rückschläge gehören nicht nur zu deinem Leben. Sie gehören zum Menschsein selbst.

 

Vielleicht braucht es deshalb manchmal weniger Selbstverurteilung und dafür mehr Mitgefühl mit sich selbst. Vielleicht sogar die Bereitschaft, sich radikal zu verzeihen.

 

Gefühle zulassen, ohne in ihnen stecken zu bleiben

 

Enttäuschung, Wut, Scham oder Angst sind normale Reaktionen auf Krisen und Rückschläge.

 

Doch häufig versuchen wir sofort, diese Gefühle wegzudrücken, zu kontrollieren oder schnell wieder „funktionieren“ zu müssen.

 

Paradoxerweise bleiben Emotionen dadurch oft länger bestehen.

 

Gefühle brauchen Raum.

 

Manchmal sind sie wie angestautes Wasser hinter einem Damm. Wenn der Damm bricht, entlädt sich die ganze Kraft nicht in wenigen Sekunden.

 

Die Emotion braucht Zeit, um ihre Naturgewalt abfließen zu lassen.

 

Vielleicht hilft es deshalb, sich der Emotion vorsichtig zuzuwenden, statt permanent gegen sie anzukämpfen.

 

Sich mitten hinein zu setzen. Zu spüren. Und die Gefühle, wenn möglich, ohne Widerstand durch den Körper fließen zu lassen.

 

Denn oft können sich Emotionen genau dadurch schneller entladen.

 

Und was danach häufig zurückbleibt, ist etwas anderes:

 

Ruhe. Stille. Vielleicht zunächst auch Erschöpfung. Doch auch diese geht vorüber.

 

Jedes Leben bricht

 

Von außen wirken andere Menschen oft geradlinig, stabil und angekommen.

 

Doch wenn man genauer hinschaut, bestehen viele erfüllte Lebensgeschichten aus Umwegen, Verlusten, Krisen und kompletten Neuanfängen.

 

Stärke entsteht nur selten ohne Reibung und Tiefe entsteht oft erst dort, wo das Leben uns herausfordert.

 

Vielleicht sind es gerade die Brüche, die einem Leben später Charakter, Mitgefühl und Echtheit verleihen.

 

Krisen sind körperlich

 

Rückschläge sind nicht nur mental. Sie wirken bis tief ins Nervensystem hinein.

 

Deshalb macht es einen größeren Unterschied, als viele denken, wie wir in solchen Zeiten mit unserem Körper umgehen.

 

Schlaf. Bewegung. Ruhe. Soziale Nähe. Tagesstruktur. Bewusstes Atmen.

 

All diese scheinbar kleinen Dinge können dem Körper langsam wieder Sicherheit vermitteln und helfen, innerlich stabiler zu werden.

 

Was bleibt

 

Rückschläge werden vermutlich nie angenehm werden. Und manche Wunden bleiben länger, als wir es gerne hätten.

 

Doch tragen gerade die schwierigsten Zeiten auch das Potenzial in sich, uns näher zu uns selbst zu bringen.

 

Womöglich entstehen Charakter, Mitgefühl, Reife, innere Stärke und echte Dankbarkeit nicht trotz unserer Krisen, sondern genau durch sie.


Kerntropfen

 

Rückschläge gehören zum Leben

Krisen, Verluste und schwierige Phasen treffen früher oder später jeden Menschen. Sie sind kein Zeichen dafür, dass mit uns etwas falsch läuft, sondern ein natürlicher Teil des Lebens.

 

Der Schmerz entsteht oft zwischen Realität und Erwartung

Je weiter das Leben von unserer inneren Idealvorstellung entfernt ist, desto stärker empfinden wir Rückschläge. Nicht nur die Krise selbst schmerzt, sondern auch der Verlust dessen, wie wir uns unser Leben vorgestellt hatten.

 

Mentale Flexibilität ist wichtiger als Kontrolle

Wir können das Leben nicht vollständig kontrollieren. Doch wir können lernen, beweglicher mit Veränderungen, Unsicherheit und Schmerz umzugehen, statt permanent gegen die Realität anzukämpfen.

 

Nicht nur fragen „Warum ich?“, sondern auch „Wozu?“

Diese Frage verändert die Perspektive. Sie öffnet die Möglichkeit, in Krisen nicht nur Leid zu sehen, sondern auch Entwicklung, Wachstum und neue Erkenntnisse über sich selbst.

 

Krisen zeigen uns oft unseren innersten Kern

In schweren Zeiten begegnen wir uns selbst häufig ehrlicher als sonst. Wir lernen unsere Grenzen kennen, aber auch Kräfte, die uns vorher vielleicht gar nicht bewusst waren.

 

Ein gesunder Trotz kann helfen weiterzugehen

Manchmal entsteht mitten in der Krise eine innere Haltung des Widerstands: „So leicht kriegt mich das Leben nicht klein.“ Dieser Trotz kann neue Energie und Hoffnung freisetzen.

 

Wir müssen nicht die ganze Zukunft bewältigen

In Krisen denken wir oft an die gesamte Zukunft gleichzeitig und fühlen uns davon überwältigt. Doch eigentlich leben wir immer nur diesen einen Moment gerade jetzt.

 

Ein stabiles Leben braucht mehrere Säulen

Wenn unser gesamtes Glück nur auf einer einzigen Säule basiert, etwa dem Beruf oder einer Beziehung, kann ein Verlust alles erschüttern. Mehrere tragende Lebensbereiche geben Stabilität.

 

Gefühle brauchen Raum, um sich lösen zu können

Wut, Angst, Scham oder Trauer sind normale Reaktionen. Wenn wir sie sofort unterdrücken, bleiben sie oft länger bestehen. Gefühle dürfen gefühlt werden, damit sie sich langsam entladen können.

 

Fast jedes erfüllte Leben enthält Brüche

Von außen wirken viele Lebenswege geradlinig. Doch hinter den meisten tiefen und erfüllten Lebensgeschichten stehen Krisen, Umwege, Verluste und Neuanfänge. Oft entstehen genau dort innere Stärke und echte Tiefe.


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