058 - Reue ist unvermeidlich - doch sie weist dir den Weg
- Ronny

- vor 6 Tagen
- 6 Min. Lesezeit
Die Gedankentropfen zum Hören
Reue ist unvermeidlich
Ganz gleich, welche Entscheidungen wir im Leben treffen – jede von ihnen bringt auch ein Stück Reue mit sich.
Vielleicht bereuen wir irgendwann, den falschen Menschen geheiratet zu haben.
Oder den Beruf, der vermeintlich besser zu uns gepasst hätte, nie gewählt zu haben. Vielleicht bereuen wir, keine Kinder bekommen zu haben.
Egal, welchen Weg wir einschlagen: Früher oder später begegnen uns Gedanken, die mit den Worten beginnen:
Hätte ich doch nur … oder Wenn ich mich damals nur getraut hätte …
Vielleicht geht es im Leben deshalb gar nicht in erster Linie darum, die perfekte Entscheidung zu treffen.
Sondern darum, sich zu fragen, welche Reue wir bereit sind zu tragen.
Oder anders gesagt:
Welche Reue werden wir eines Tages leichter akzeptieren können?

Die Dinge, die wir nie gewagt haben
Mit den Jahren ist mir etwas klar geworden:
Wir bereuen meist weniger das, was wir getan haben, sondern vielmehr das, was wir nie gewagt haben.
Eine meiner größten Reuen ist, dass ich in jungen Jahren nicht den Mut hatte, für längere Zeit im Ausland zu leben oder die Welt auf eigene Faust zu bereisen.
Heute versuche ich, diese Lücke so gut es geht zu schließen.
Vielleicht liegen deine größten Reuen an einer ganz anderen Stelle. Vielleicht hast du dir diese Frage aber auch noch nie bewusst gestellt.
Falls das so ist, möchte ich dich dazu ermutigen.
Nicht, um dich schlecht zu fühlen, weil du Reue empfindest.
Sondern weil Reue manchmal ein wertvoller Hinweis darauf ist, welchen Weg du tief in dir eigentlich noch gehen möchtest.
Warum neue Wege so schwer sind
Einen neuen Weg einzuschlagen, fällt uns oft erstaunlich schwer.
Der Grund dafür ist, dass wir zwei Dinge miteinander vergleichen, die eigentlich gar nicht vergleichbar sind.
Der alte Weg ist vertraut. Wir kennen ihn mit all seinen Höhen und Tiefen. Wir wissen, was uns erwartet, weil wir die Erfahrungen bereits gemacht haben.
Der neue Weg dagegen liegt im Nebel. Uns fehlen sowohl die Erfahrungen als auch die Informationen.
Genau diese Ungewissheit löst häufig Angst und Zweifel aus.
Wichtig ist: Die Erfahrungen und Antworten, nach denen wir suchen, können wir nur auf diesem neuen Weg finden.
Solange wir stehen bleiben, bleibt der Nebel bestehen.
Zu diesem Gedanken habe ich bereits einmal einen eigenen Gedankentropfen geschrieben:
Das Leben rückwärts denken
Der einfachste Weg, zumindest für mich, um herauszufinden, was ich eines Tages bereuen werde, besteht darin, mein Leben rückwärts zu denken.
Ich stelle mir vor, ich wäre 100 Jahre alt und würde auf mein Leben zurückblicken.
Dann frage ich mich:
Was möchte ich auf keinen Fall verpasst haben?
Versuche, dieses Gedankenexperiment nicht nur zu denken, sondern wirklich zu erleben.
Stell dir vor, du blickst mit 100 Jahren auf dein Leben zurück. Wie fühlt sich dieser Moment an?
Solche Entscheidungen werden mit dem Bauch und dem Herzen getroffen, weniger durch Gedanken.
Erstaunlicherweise wird die Antwort dadurch oft glasklar.
Das bedeutet nicht, dass der Weg leichter wird. Im Gegenteil.
Manchmal stellt diese Frage die größten Entscheidungen unseres Lebens infrage:
die Wahl des Partners, des Berufs, des Wohnorts oder die Frage, ob wir Kinder möchten.
Und wenn wir erkennen, dass unser bisheriger Weg nicht mehr zu unseren tiefsten Bedürfnissen passt, kann eine Veränderung unglaublich herausfordernd sein.
Häufig wird sie sogar zu einer echten Lebensaufgabe.
Eine Erkenntnis hat sich für mich dabei jedoch immer wieder bestätigt:
Die Veränderung ist oft schmerzhaft.
Doch auf Dauer ist es häufig noch schmerzhafter, ihn nicht zu wagen.
Entscheidungen mit Weitblick
Das Schöne ist: Mit jeder mutigen Entscheidung wird die nächste ein kleines Stück leichter.
Die Angst verschwindet dabei oft gar nicht vollständig. Was sich verändert, ist unser Vertrauen, mit ihr umgehen zu können.
Mir hilft dabei ein Perspektivwechsel.
Aus der Frage:
„Wofür möchte ich mich im Leben entscheiden?“
wird die Frage:
„Was möchte ich als 100-jähriger Mensch, der auf mein Leben zurückblickt, auf keinen Fall bereuen?“
Diese beiden Fragen führen in unterschiedliche Richtungen. Die erste sucht nach der richtigen Entscheidung.
Die zweite richtet den Blick auf das Leben, das wir eines Tages mit einem Gefühl von Zufriedenheit betrachten möchten.
Man könnte es auch anders betrachten:
Jede Entscheidung für etwas ist gleichzeitig eine Entscheidung gegen etwas.
Dadurch verändert sich auch die Perspektive.
Es geht weniger darum, wofür wir uns entscheiden möchten, sondern vielmehr darum, wogegen wir uns auf keinen Fall entscheiden möchten.
Denn genau dort verbirgt sich oft das, was uns wirklich wichtig ist.
Was Reue uns eigentlich sagen will
Beim Schreiben dieses Gedankentropfens habe ich darüber nachgedacht, was Reue eigentlich ist.
Auf unserer Reise durch die Welt der Gefühle haben wir bereits darüber gesprochen, dass Gefühle meist einen Sinn und Zweck haben.
Reue könnte uns Folgendes mitteilen:
Hier ist etwas in deinem Leben, das dir wirklich wichtig ist und dir viel bedeutet.
In meinem Fall könnte das bedeuten:
Reue entstand dort, wo etwas mit meinen Zielen, Bedürfnissen oder Werten kollidierte.
Wenn ich heute bereue, in jungen Jahren nicht den Mut gehabt zu haben, im Ausland zu leben oder die Welt zu bereisen, sagt mir diese Reue nicht einfach nur:
„Du hast einen Fehler gemacht.“ Sie zeigt mir auch: „Freiheit, Abenteuer und Neugier sind dir offenbar besonders wichtig.“
Was würde deine Reue über dich erzählen?
Welche Werte, Bedürfnisse oder Ziele kommen bei dir zum Vorschein, wenn du darüber nachdenkst?
Bessere Entscheidungen durch Reue
Im Kern ist Reue, wie jedes andere Gefühl auch, eine Art Warnsystem.
Sie möchte unsere Aufmerksamkeit auf etwas lenken, damit wir aus unseren Erfahrungen lernen, uns selbst besser verstehen und künftig bessere Entscheidungen treffen.
Welche Geschichte möchtest du erzählen?
Kommen wir noch einmal zurück zum Anfang.
Reue scheint ein unvermeidlicher Teil unseres Lebens zu sein. Wir sind Menschen und erleben früher oder später die ganze Bandbreite menschlicher Gefühle.
Ein erfülltes Leben bedeutet daher vermutlich nicht, frei von Reue zu sein.
Es bedeutet vielmehr, den Mut gehabt zu haben, den Dingen zu folgen, die uns wirklich wichtig waren.
Zum Abschluss möchte ich dir noch einen Gedanken mitgeben:
Stell dir vor, jemand zeigt dir heute zwei Versionen deiner Zukunft.
In der ersten bist du dein Leben lang auf Nummer sicher gegangen.
In der zweiten hast du dich immer wieder getraut, obwohl du Angst hattest.
Welche dieser beiden Geschichten würdest du mit 100 Jahren lieber über dein eigenes Leben erzählen?
Kerntropfen
Reue ist unvermeidlich
Ganz gleich, welche Entscheidungen wir treffen – jede von ihnen bringt auch den Verzicht auf andere Möglichkeiten mit sich. Deshalb ist Reue kein Zeichen dafür, dass wir falsch gelebt haben, sondern ein natürlicher Teil des Menschseins.
Was wir am meisten bereuen
Mit etwas Abstand bereuen viele Menschen weniger ihre Fehler als die Chancen, die sie nie ergriffen haben. Oft bleiben gerade die ungelebten Möglichkeiten und unerfüllten Träume besonders lange in Erinnerung.
Warum neue Wege so schwer sind
Vertraute Wege fühlen sich sicher an, weil wir sie kennen. Neue Wege wirken dagegen unsicher, da uns die nötigen Erfahrungen fehlen. Doch genau diese Erfahrungen können wir erst sammeln, wenn wir den ersten Schritt wagen.
Das Leben rückwärts denken
Ein hilfreicher Perspektivwechsel besteht darin, sich als 100-jähriger Mensch vorzustellen und auf das eigene Leben zurückzublicken. Diese Sichtweise macht oft erstaunlich deutlich, was im Leben wirklich wichtig ist.
Jede Entscheidung ist auch ein Verzicht
Sich für einen Weg zu entscheiden bedeutet immer auch, viele andere Wege nicht zu gehen. Deshalb lohnt es sich, weniger nach der perfekten Entscheidung zu suchen und mehr danach, worauf wir eines Tages am wenigsten verzichten möchten.
Mut wächst mit jeder Entscheidung
Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben. Er bedeutet, trotz der Unsicherheit den eigenen Werten zu folgen. Mit jeder mutigen Entscheidung wächst das Vertrauen, auch die nächste Herausforderung meistern zu können.
Reue als Wegweiser
Reue macht oft sichtbar, welche Werte, Bedürfnisse und Ziele uns besonders wichtig sind. Gerade deshalb kann sie zu einer wertvollen Orientierungshilfe werden und uns zeigen, in welche Richtung wir unser Leben entwickeln möchten.
Der Sinn hinter der Reue
Wie jedes andere Gefühl erfüllt auch Reue einen Zweck. Sie lenkt unsere Aufmerksamkeit auf das, was uns wirklich bewegt, hilft uns, aus Erfahrungen zu lernen, uns selbst besser zu verstehen und künftig bessere Entscheidungen zu treffen.
Ein erfülltes Leben
Ein erfülltes Leben bedeutet nicht, frei von Reue zu sein. Vielmehr entsteht Erfüllung häufig dort, wo wir den Mut finden, den Dingen zu folgen, die uns wirklich am Herzen liegen.
Die entscheidende Frage
Stell dir vor, du blickst mit 100 Jahren auf dein Leben zurück. Welche Geschichte möchtest du dann über dein Leben erzählen? Diese Frage kann zu einem wertvollen Kompass für die Entscheidungen werden, die du heute triffst.
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