062 - Da, wo die Angst ist, geht es entlang

Die Gedankentropfen zum Hören
Da, wo die Angst ist, geht es entlang
Angst ist Unwissenheit. Unwissenheit darüber, was geschehen wird. Ob du einer Situation gewachsen bist oder an ihr scheitern wirst.
Ob du am Ende gelobt oder belächelt wirst. Ob du gewinnst oder verlierst. Ob du dich freuen oder leiden wirst. Ob du gesund bleibst oder nicht.
Angst entsteht dort, wo wir nicht wissen, was auf uns zukommt.
Und trotzdem muss Angst uns nicht aufhalten. Leider tut sie das nur allzu oft. Denn wenn wir Angst spüren, ist unser erster Impuls häufig, ihr aus dem Weg zu gehen.
Also bleiben wir lieber in unserer Komfortzone. Dort, wo wir uns auskennen. Wo vieles vorhersehbar ist. Wo wir wissen, was funktioniert und was von uns erwartet wird. Dort fühlen wir uns sicher.
Doch sobald wir neue Wege gehen oder das Leben uns dazu zwingt, vertraute Wege zu verlassen, verändert sich etwas.
Plötzlich fehlen uns Erfahrungen und Antworten. Wir wissen nicht mehr genau, was passieren wird.
Und genau dort taucht sie auf: die Angst.
Und mit ihr die Ungewissheit.

Angst ist ein Schritt ins Unbekannte
Wir haben Angst, wenn wir einen Vortrag halten. Wenn wir in eine Achterbahn steigen. Wenn wir auf ein erstes Date gehen.
Wenn wir auf eine mögliche Diagnose warten, ein unerklärlicher Schmerz auftaucht, wir umziehen oder einen neuen Job beginnen.
So unterschiedlich diese Situationen auch sind, die Angst hat etwas gemeinsam: Wir wissen nicht, was kommt.
Und es ist okay, Angst zu haben.
Wenn du Angst spürst, musst du sie nicht sofort loswerden. Du kannst zunächst einfach wahrnehmen: Okay, da ist Angst. Ich habe sie bemerkt. Ich kann sie fühlen.
Denn hinter der Angst liegt häufig genau das: etwas, das du noch nicht weißt.
Wie wird es ausgehen? Was wird passieren? Werde ich damit klarkommen?
Nimm wahr, dass du die Antworten gerade nicht hast. Und dass es völlig okay ist, etwas nicht zu wissen.
Dann beginne, dich in Richtung Wissen zu bewegen. Nicht indem du dir immer mehr Gedanken darüber machst, was alles passieren könnte.
Sondern indem du die Angst spürst und trotzdem handelst.
Einen Schritt nach dem anderen.
Wenn du einen neuen Weg gehst, musst du vielleicht erst lernen, sicher zu stehen, bevor du gehen kannst. Gehen, bevor du rennst. Rennen, bevor du springst.
Mit jedem Schritt sammelst du Erfahrungen. Mit jeder Erfahrung weißt du ein kleines bisschen mehr.
So schließt sich langsam die Lücke zwischen dem, was du nicht weißt, und dem, was du weißt.
Und je kleiner diese Lücke wird, desto weniger Raum braucht die Angst.
Lass nicht die Angst entscheiden, wohin du gehst
Bis die Angst kleiner wird, brauchst du Mut. Vielleicht ist Mut sogar das eigentliche Gegenmittel zur Angst.
Nicht keine Angst zu haben, sondern die Courage, den Weg trotzdem zu gehen.
Denn Angst entsteht selten dort, wo uns etwas völlig egal ist.
Sie taucht auf, weil uns etwas wichtig ist. In diesem Sinne kann Angst sogar ein Kompass für unsere Wünsche sein.
Und manchmal liegen hinter unseren größten Ängsten auch unsere größten Wünsche.
Der Wunsch, sich selbstständig zu machen. Mit einem bestimmten Menschen zusammen zu sein. In einem anderen Land zu leben. Etwas Neues zu wagen, obwohl wir nicht wissen, ob es funktionieren wird.
Die Angst zeigt uns dabei ziemlich zuverlässig die Grenzen unserer Komfortzone. Jenseits dieser Grenze beginnt das Unbekannte. Und genau dieses Nichtwissen macht uns Angst.
Doch dort wartet nicht nur Angst.
Dort wartet auch Wachstum. Dort warten Erfahrungen, Erkenntnisse und vielleicht einige der wichtigsten Lektionen unseres Lebens.
Und wenn du den Weg tatsächlich gehst, passiert noch etwas anderes: Die Angst wird nicht nur kleiner. An ihre Stelle tritt etwas Neues.
Stolz.
Weil du erlebt hast, dass du handeln kannst, obwohl du Angst hast. Dass du schwierige Situationen bewältigen kannst.
Dass du mehr kannst, als du dir vielleicht zugetraut hast.
Und daraus wächst Vertrauen in dich selbst.
Dieses riesige, scheinbar unüberwindbare Monster namens Angst verliert plötzlich seine Größe, wenn du ihm in die Augen schaust und sagst:
Du kannst mitkommen.
Aber du entscheidest nicht, wohin ich gehe.
Von der Angst zum Vertrauen
Je häufiger du diese Erfahrung machst, desto einfacher wird der Umgang mit der Angst. Vielleicht gelingt es dir irgendwann sogar, sie umzudeuten.
Denn Angst liegt manchmal erstaunlich nah an stimulierender Aufregung. Die Gefühle und Körperempfindungen können sehr ähnlich sein.
Dabei hilft es nicht, die Angst abzulehnen oder sie dir nicht einzugestehen.
Die Angst anzunehmen ist wichtig. Denn was wir unterdrücken, verschwindet nicht einfach. Es treibt häufig unbewusst weiter sein Unwesen.
Wir können uns Gefühlen nicht stellen und sie schon gar nicht befrieden, wenn wir sie unterdrücken oder beiseiteschieben.
Deshalb ist es wichtig, dir selbst zu sagen: Es ist okay, dass diese Gefühle gerade auftauchen.
Schließlich weist Angst häufig auf ein Risiko hin. Früher konnte dieses Risiko der Tod sein.
Heute fürchten wir eher Reputationsverlust, Ablehnung, Ausschluss oder die Bewertung durch andere.
Doch während die Angst fragt: „Was kann ich verlieren?“
fragt der Mut: „Warum ist es mir das wert, es trotzdem zu tun?“
Und je weiter wir uns vom Nichtwissen in Richtung Gewissheit bewegen, desto mehr kann die Angst schwinden und durch Vertrauen, Sicherheit und Gelassenheit ersetzt werden.
Pack die Angst in eine Rucksack und lauf los
Einen letzten Schritt könnte man noch gehen. Muss man aber auch nicht.
Doch ich habe einmal ein Zitat gehört, leider erinnere ich mich nicht mehr daran, von wem es stammt. Sinngemäß lautete es:
„Wenn du Angst hast, kannst du beruhigt sein. Wenn du dich in Sicherheit wiegst, solltest du dir Sorgen machen.“
Denn die Komfortzone bedeutet eben auch Stillstand.
Meines Erachtens brauchen wir beides. Lange Phasen des Stillstands können genauso schwierig sein wie lange Phasen der Unsicherheit und Angst.
Auf eine Phase des Wachstums folgt deshalb auch wieder eine Phase der Ruhe. Leider können wir nicht immer bestimmen, welche Phase als Nächstes ansteht.
Daher zum Schluss:
Wenn du das nächste Mal in eine Lebensphase oder Situation hineinläufst, die dir Angst macht, vergiss nicht:
Die Angst ist die Unwissenheit. Und es ist okay, nicht zu wissen.
Pack die Angst in deinen Rucksack und lauf los. Lauf in Richtung Gewissheit.
Am anderen Ende warten nicht nur Vertrauen, Sicherheit und Stolz auf dich selbst, sondern auch deine persönliche Entwicklung und, vielleicht noch wichtiger, womöglich die Erfüllung deiner tiefsten Wünsche und Bedürfnisse.
Denn:
Da, wo die Angst ist, geht es entlang.
Kerntropfen
Angst ist Unwissenheit
Angst entsteht häufig dort, wo wir nicht wissen, was passieren wird, wie eine Situation ausgeht oder ob wir ihr gewachsen sein werden. Das Unbekannte schafft Unsicherheit und diese Unsicherheit kann Angst erzeugen.
Angst darf da sein
Angst muss nicht sofort verschwinden. Statt sie abzulehnen oder zu verdrängen, kannst du zunächst wahrnehmen: Da ist Angst. Es ist völlig okay, dieses Gefühl zu haben und gerade nicht zu wissen, was kommt.
Die Komfortzone gibt Sicherheit
In unserer Komfortzone kennen wir uns aus. Wir wissen, was uns erwartet und fühlen uns deshalb sicher. Doch wenn wir sie niemals verlassen, kann aus dieser Sicherheit irgendwann Stillstand werden.
Geh den Weg trotzdem
Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben. Mut bedeutet, die Angst wahrzunehmen und trotzdem zu handeln. Du musst dabei nicht sofort große Sprünge machen. Ein Schritt nach dem anderen reicht vollkommen aus.
Schließe die Lücke des Nichtwissens
Der Weg aus der Unwissenheit führt über Erfahrung. Indem du handelst, lernst du etwas über dich und die Situation. Mit jedem Schritt weißt du ein bisschen mehr und die Lücke des Nichtwissens wird kleiner.
Angst ist ein Kompass
Wir haben selten Angst vor Dingen, die uns vollkommen egal sind. Angst taucht häufig gerade dort auf, wo uns etwas wichtig ist. Deshalb kann sie auch ein Hinweis darauf sein, wo unsere Wünsche und Bedürfnisse liegen.
Hinter großen Ängsten liegen große Wünsche
Manchmal liegen unsere größten Ängste erstaunlich nah an unseren größten Wünschen. Selbstständigkeit, eine besondere Beziehung oder ein Leben im Ausland können gerade deshalb Angst machen, weil sie uns so viel bedeuten.
Was kann ich verlieren?
Angst richtet unseren Blick auf mögliche Risiken und fragt: „Was kann ich verlieren?“ Mut stellt eine andere Frage: „Warum ist es mir das wert, es trotzdem zu tun?“ Diese Frage kann unsere Perspektive verändern.
Aus Erfahrung wächst Vertrauen
Wenn du immer wieder erlebst, dass du trotz Angst handeln kannst, entsteht Selbstwirksamkeit. Aus Erfahrung wachsen Vertrauen, Sicherheit und Gelassenheit und vielleicht auch ein bisschen Stolz darauf, den Weg gegangen zu sein.
Pack die Angst in deinen Rucksack
Du musst nicht darauf warten, dass deine Angst verschwindet. Pack sie in deinen Rucksack und geh mit ihr in Richtung Gewissheit. Denn manchmal liegt genau hinter ihr das, was dir wirklich wichtig ist: Da, wo die Angst ist, geht es entlang.
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